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Porcupine Tree

2008-10-21 @ 13:11 in Recommendations

Schon lange überfällig ist dieser Artikel über diese Band, wobei es mir sehr schwer fällt ihr in so einem Text gerecht zu werden. Zum einen weil sie es schon seit gefühlten 100 Jahren gibt und ich somit noch nicht mal alles Material von ihr kenne, zum anderen weil Mastermind Steven Wilson dafür sorgt, dass sie sich von Album zu Album neu erfindet...

 

Gestoßen wurde ich in Richtung Porcupine Tree von Mr. dog-b (der aufmerksame Leser erinnert sich an diesen Namen im Zusammenhang mit The Mars Volta), mit dem Album "In Absentia", das wohl nicht zu unrecht als der größte Geniestreich der Briten gilt. Hier kombinieren sie ihre großen Stärken in der genau richtigen Dosis: ein halbes Pfund dicker Groove als Fundament, eine Prise psychedelischer-progressiver Rock, eine große Scheibe Metal, ein Päckchen melancholische Piano-Parts und natürlich Unmengen an großartiger Melodien.
"Blackest Eyes", "Trains" und "The Sound Of Muzak" sind die drei besten Beispiele für Melodien aus dem Lehrbuch: Jedes Mal wenn ich sie höre, bekomme ich gute Laune, genauso wie bei "Piano Lessons" von der "Stupid Dream", das genauso untypisch (wenn man das überhaupt sagen kann) für Porcupine Tree ist, wie "This is no rehearsal" von der selben Platte, das einen waschechten Punkpart enthält, der aber so homogen in das eigentlich total langsame Stück eingearbeitet ist, das man eigentlich als Songwriter nur neidisch werden kann.
Gerockt und gegroovt wird ordentlich auf "Shallow" mit einem unvergleichbaren Riff, unterlegt von einem geilen, perfekt passenden Schlagezugpart, "Halo" (einer der besten Texte überhaupt von PT) und "Wedding nails" (Rock) bzw. "The creator has a mastertape" (Groove). Aber auch das Bombaststück "Anesthetize" gibt streckenweise ordentlich aufs Maul, auch wenn das Highlight des Stücks eindeutig das kurze punkige Riff ist, das nur kurz aufgenommen wird. Aber das versprüht wiederum Wärme und Licht in einem sonst durchweg düsteren 17-Minuten-Lied.
"Arriving somewhere but not here" ist wohl das genialste Lied, das Steven Wilsons Kopf entsprungen ist, 12 Minuten voller verschiedener Parts und Stimmungen, die jedoche wie aus einem Guss sind. Als Musikliebhaber möchte ich ihm dafür um den Hals fallen, als Musikmacher kann ich ihn jedoch nur verfluchen, denn was man auch immer nach "Arriving somewhere but not here" hören mag, niemals wird es die Genialität dieses Tracks erreichen.
Eine richtige Piano- Ballade darf auf keinem PT- Album fehlen und je länger ich drüber nachdachte umso mehr fielen mir wieder ein: "Lazarus", der Prototyp - dieses Lied wird JEDEM gefallen, "Sentimental" vom Nachfolgeralbum, das einen zu Tränen rühren kann, trotz (oder gerade wegen) seiner einfachen Struktur. "A smart kid" hat mich sprachlos gemacht: Selten drückt der erste Satz des Liedes die Stimmung so perfekt aus, wie hier: "Stranded here on planet earth" - man fühlt sich tatsächlich wie der letzte Mensch auf Erden, beklemmend und befreiend zugleich. Und dann gibt es ja auch noch "Heartattack in a layby", eigentlich so unspektakulär, doch wenn man es bewusst hört, tut sich einem erst die wahre Schönheit dieses Stückes auf. Und nur zwei Lieder später heißt es "Collapse light into earth", Abschluss von "In Absentia", nachdem man erst mal mindestens eine halbe Stunde Ruhe braucht, um diese Wahnsinnsballade zu verarbeiten und seine Gedanken und Gefühle wieder zu ordnen.

Hätte man beim unglaublichen "The sky moves sideways" noch denken können, hier sind die leibhaftigen Nachfolger von Pink Floyd am Werke, ging der Trend von Album zu Album in Richtung klassischer Songs mit eingängigen Hooks.
Gemündet hat diese Entwicklung eben "In Absentia" und ging weiter in etwas härtere, metaliger Musik wie bei "Deadwing" und "Fear of a blank planet", das jedoch allein von Sound und Aufbau durchaus "Deadwing II" hätte heißen können, hier hat also die Weiterentwicklung einen kurzen Zwischenstop gemacht. Hier tut sich jetzt natürlich die Frage auf: War es das mit der Weiterentwicklung? Ist die Band jetzt am Ziel und in dieser SpARTe heimisch geworden? Die Antwort kennt wohl bisher nur, wenn überhaupt, Steven Wilson.

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