Clueso
Clueso, das alte Chamäleon. Wie kann man eine 180° Wendung über vier Alben vollführen ohne auch nur einen Funken Credibility einzubüßen?!? Angefangen bei lupenreinem HipHop, den nur die intelligenten Headz kennen, kommen heute 16jährige Mädels kreischend zu seinen Konzerten, dank des neuen Singer-Songwriter- Albums. Ein Statement, warum man den Kerl auch als Mann mögen kann...
Textlich hatte mich Clueso bereits mit "Wart mal" absolut überzeugt, was sich mit den kommenden Alben nur weiter bestätigt hat und ihn für mich zum besten deutschen Künstler gemacht hat. Zusammen mit Jan Delay hat er die besten deutschen Texte, die ich je gehört habe.
Die wohl beste Message des Albums wird auf "Love the people" verbreitet, das auch live immer zum Ausnahmezustand führt - Wahnsinnsstimmung!
Eine Überraschung der besonderen Art erwartete mich dann im Jahr 2006 - dem Superjahr! Nachdem viele meiner unbestreitbaren Lieblingsbands ein neues Album rausbrachten, reihte sich auch Clueso in diese Gruppe ein, was ihn raus aus der Kategorie "Achtungserfolg", rein in "etablierter Lieblingskünstler" katapultiert hat - und das Motto lautete: Mehr Reggae! Mehr Sommer!
Neben dem Über- Song "Chicago" finden sich mit der funkigen Kollabo mit Flowin' Immo "Morgen Gestern" und dem Opener "Frische Luft", mit seinem leicht drum'n'bassigen Rhythmus in der Strophe noch das beste Skit aller Zeiten auf "Weit weg": "Ey Tino!" - ich lach mich noch heute tot über diesen Dialog.
Und nachdem ich Clueso die ersten Male live gesehen habe (immerhin der erste Künstler, dem ich auf Tour hinterhergereist bin), kamen neue Favoriten hinzu: Der Titeltrack "Weit weg", der Track mit Max vom Freundeskreis, "Da wohnt so'n Typ" und die Einleitung der Zugaben: "Mein Bestes".
Tja, und dann kam das Album, an dem sich die Geister scheiden: "So sehr dabei". War ich mittlerweile Feuer und Flamme für diesen jungen Erfurter, war ich beim ersten Durchhören dieses Albums sehr enttäuscht: Wo ist die gute Laune hin? Die Grooves? Die Hymnen? All das, was Clueso für mich ausgezeichnet hat?
Stattdessen ruhige, bedachter Singer-Songrwriter- Mucke. Doch mittlerweile habe ich meinen Frieden mit dem Album gefunden, man muss halt seine Herangehensweise ändern, um sich diesem Album zu nähern. Ausnahme natürlich der neue Meggahit für Mr. Hübner: "Keinen Zentimeter". Aber zerbrechliche Lieder wie "Barfuss" oder "Gewinner" wären auf vorherigen Alben einfach nciht möglich gewesen - und sie zählen heute zu meinen Lieblingsliedern (wenngleich er auf "Gewinner" auch erschreckend ähnlich wie Grönemeyer klingt). Auch für "Augen zu", neben "Wir woll'n Sommer" (inkl. Kult-Nieser) das groovigste Stück auf der Platte, brauchte ich mehrere Anläufe.
Künstlerisch am wertvollsten ist zweifelsohne die "Utopie", in der uns nur wenig Zeit zum Träumen bleiben wird. Sehr dramatisch, nicht nur textlich (um es nochmal ins Gedächtnis zu rufen: Clueso = wahnsinnig guter Texter), sondern auch dank des Freiraums, den er den unterstützenden Streichern gewährt. Man fühlt sich plötzlich tatsächlich wie im Film, der zur Inspiration gedient hat: "Metropolis".
Fazit: Das neue Album ist anders, transportiert eine andere Stimmung und andere Gefühle - aber die sind authentisch, und darum geht's doch bei Musik, oder? (Die fünf Euro für's Phrasenschwein bezahl ich freiwillig).
"Ich dreh mich lieber um und die Musik auf"(Augen zu)
Kommentare
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das magdeburgkonzert der aktuellen tour und da es vom radio aufgenommen wurde, is die quali sogar gut!
die passende musikalische untermalung zur erinnerung an jedes cluesokonzert!
viel spaß!