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Mordprozess: Es geht ins Detail

2007-01-19 @ 08:56 in Juristisches

Wie von der Verteidigung angekündigt, hat der Angeklagte im Prozess um den Raubmord an einer 51-jährigen Anhalterin vor dem Würzburger Landgericht auch am zweiten Verhandlungstag keine Angaben zur Sache gemacht. Lediglich über seine persönlichen Verhältnisse und seinen beruflichen Werdegang berichtete der 56-jährige ehemalige Manager einer oberfränkischen Porzellan-Manufaktur.

Bevor er sich 1995 den Arbeitsplatz bei der weltbekannten Firma aussuchte, hatte der Kaufmann schon für eine Vielzahl großer Firmen gearbeitet. Zu jener Zeit verdiente der zweifache Familienvater nach eigenen Angaben bis zu 20.000 D-Mark netto im Monat. Sein Abstieg begann, als er den Entschluss fasste, sich selbstständig zu machen. Er steckte viel Geld in Call-Center in der Türkei und Ungarn und verlor dabei 700.000 Mark. Heute hat er rund 450.000 Euro Schulden.

2003 wollte ich ein neues Geschäft aufbauen, dann wurde ich verhaftet. Das Geld ist verloren“, sagte der 56-Jährige. Verhaftet wurde er als Tatverdächtiger im Mordfall einer 51 Jahre alten Geschäftsfrau, deren Leiche am 6. Oktober 2001 im Kreis Kulmbach in der Nähe der Autobahn gefunden wurde. Der Körper lag eine Woche lang vollständig bekleidet und mit der Handtasche über der Schulter unter einem Wacholdergebüsch.

Die 51-jährige Frau aus Baden-Württemberg war acht Tage zuvor mit einer Gruppe Landfrauen mit dem Bus auf dem Weg zum Plattensee. Sie durfte als einzige ihrer Reisegruppe nicht von Österreich nach Ungarn einreisen, weil ihr Reisepass abgelaufen war.

Die Frau entschloss sich, per Anhalter nach Hause zurückzukehren. Nach langen Ermittlungen und einer Fahndung, in die auch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ eingeschaltet war, hatten die Ermittler keinen Zweifel mehr: Der Angeklagte hat die Frau nicht nur am 28. September 2001 in Österreich als Anhalterin mitgenommen. Er soll ihr auch die Kehle durchgeschnitten und ihr rund 400 D-Mark Reisegeld geraubt haben.

Das Landgericht Bayreuth konnte sich von der Schuld des 56-Jährigen allerdings nicht überzeugen und sprach ihn im Juni 2004 vom Vorwurf des Raubmordes frei. Jetzt ist die Bluttat ein Fall für das Landgericht Würzburg, weil der Bundesgerichtshof den Freispruch aufhob und das Würzburger Schwurgericht mit dem Verfahren betraute.

Für die Dauer des zweiten Prozesses wurde der 56-Jährige aus der Hamburger Justizvollzugsanstalt nach Würzburg verlegt. Er sitzt derzeit eine vierjährige Haftstrafe ab. Nach dem Bayreuther Freispruch hatte er als Erpresser „Garibaldi“ versucht, von der deutschen Filiale des Shell-Konzerns vier Millionen Euro zu erpressen.

Für die Würzburger Richter bedeutet der Auftrag des Bundesgerichtshofs, dass jede Spur, jedes Detail der Ermittlungen akribisch überprüft und jeder Zeuge neu gehört werden muss. Bevor Landgerichtspräsident Peter Schauff am Donnerstag wegen der Sturmwarnung sämtliche Nachmittags-Sitzungen im Würzburger Strafjustizzentrum absetzte, begann die Kleinarbeit: Ein Polizist schilderte den Fund der Leiche, eine ehemalige Freundin des Mord-Opfers erzählte von den Geschehnissen an der ungarischen Grenze, und die zwei Halbbrüder des Angeklagten berichteten aus seiner Jugend in Norddeutschland.

„Er wollte sich nie streiten“, sagte der 65-jährige Bruder. „Mir sind von ihm keine Gewalttätigkeiten bekannt“, meinte der 68-jährige Bruder. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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