Militärischer Drill als Strafe für Zwölfjährige
Militärischer Drill für eine Zwölfjährige: Weil er seine Stieftochter aus erzieherischen Gründen wie einen Armee-Rekruten behandelt hat, muss ein 31-jähriger US-Amerikaner aus dem Kreis Würzburg 8.000 Euro Geldbuße bezahlen.
Der Mann zwang das Mädchen, eineinhalb Kilometer zu joggen, während er mit dem Fahrrad hinterher fuhr. Außerdem musste sie auf offener Straße Liegestütze machen. Als sie nicht mehr weiterlaufen wollte, wurde sie vom Stiefvater durch Schläge mit einem Gürtel angetrieben.
Am Donnerstag musste sich der Mann wegen Nötigung und Misshandlung Schutzbefohlener vor dem Würzburger Amtsgericht verantworten. „Ich kenne die deutschen Gesetze nicht. In Amerika wäre so etwas keine Kindesmisshandlung“, behauptete er. Er wollte seine Stieftochter bestrafen, weil sie im Schulbus eine Erstklässlerin belästigt und eingeschüchtert hatte.
Angezeigt wurde er von einer deutschen Frau, die die Strafaktion auf der Landstraße beobachtet hatte. „Er hat das Mädchen mit dem Gürtel richtig gejagt“, so die 42-Jährige im Zeugenstand. Auch von ihrer Ankündigung, die Polizei zu rufen, Ließ sich der 31-Jährige nicht beeindrucken und trieb seine Stieftochter weiter an.
Zu Hause angekommen, musste die Zwölfjährige noch einmal Liegestütze machen. Sie scheint ihm die Strafaktion aber nicht übel genommen zu haben: „Wir haben immer noch ein gutes Verhältnis. Er wollte mir beibringen, dass man sich nicht an Schwächeren vergreift“, sagte die Schülerin.
„Statt dessen haben sie ihr nur gezeigt, dass der Stärkere immer recht hat“, erklärte Richter Peter Wohlfahrt dem Angeklagten. Am Ende des Prozesses ließen er und die Staatsanwältin Gnade vor Recht ergehen: Im Falle einer Verurteilung hätte der 31-Jährige nämlich seinen gut bezahlten Job als Zivilangestellter der amerikanischen Streitkräfte verloren.
Deshalb wurde das Verfahren gegen Zahlung von 8.000 Euro Geldbuße an den Würzburger Kinderschutzbund eingestellt. „Es ist moralisch nicht zu akzeptieren, dass man Kinder drillt wie in der Armee. Beim nächsten Mal stehen sie mit einem Bein im Gefängnis“, warnte die Staatsanwältin. Er werde die Gesetze in Zukunft respektieren, versprach der Angeklagte: „Es könnte sein, dass ich es mit der Strafe etwas übertrieben habe.“
Kommentare
An Maren [antworten]
finde ich auch
hey [antworten]
Militärischer Drill ist ja grausam
Wo ist die Grenze? [antworten]
Wir kennen die Serien mit den Drill-Camps für Jugendliche aus den USA, die Reportagen von VOX, und jetzt bringt RTLII sogar eine eigene Serie mit deutschen Kids. Wo soll man da noch eine Grenze erkennen?? Auch wenn die deutsche Rechtgebung in diesem Fall noch eine selbige gezogen hat, ist die Wahrnehmung der Grenze zur Kindesmisshandlung mehr als verwischt.
Ich bin strikt gegen solche Maßnahmen! Aber wenn RTLII seine Doku auf einer rechtlichen Grundlage aufbauen kann, die gleichzeitig ähnliche Methoden bestraft, dann ist hier ein ganz schöner Zwiespalt im System zu erkennen. Wir sollten uns fragen, wie es dazu kommt, dass solche Serien unserer Unterhaltung dienen...