Konstantin Wecker sucht die Stille

Heute hatte ich das Vergnügen (es war auch wirklich eins), für das VOLKSBLATT den Auftritt von Konstantin Wecker (Fotos (c) Patrick Wötzel) im Rahmen der Vorlesung „Einführung in die musikpädagogische Psychologie“ an der Uni Würzburg besuchen zu dürfen. Mit der Psychologie seiner Musik hat der mittlerweile 59-jährige Liedermacher zwar nicht viel am Hut („Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“), trotzdem hatte er viel Interessantes zu sagen.
Nach
der Lesung wichtiger Schlüsselstellen aus seinem teilweise
autobiografischen Roman „Der Klang der ungeliebten ungespielten
Töne“ bin ich mir jetzt schon sicher, dass ich mir das Buch
unter den Weihnachtsbaum lege oder lieber legen lasse. Darin begibt
sich ein erfolgreicher, aber unglücklicher Studiomusiker und
Komponist auf die Suche nach dem Wesen der Musik, nach der
Wahrhaftigkeit der Klänge. Finden kann er sie nur fern vom Lärm
der Welt, in der eigenen Stille. „Ich hatte einen inneren Drang, so
etwas schreiben zu müssen“, offenbarte Wecker im Gespräch
mit seinem Gastgeber Professor Dr. Friedhelm Brusniak, Inhaber des
Lehrstuhls für Musikpädagogik.
Er
wolle sich in unserer von permanenter Lärmbelästigung
geprägten Zeit „einen Raum der Stille“ bewahren, eine
Revolution der Stille anzetteln, „um sich selbst wiederzufinden“,
sagte der Liedermacher. Regelrecht belästigt fühlt sich
Wecker vor allem von der in der Öffentlichkeit allgegenwärtigen
kommerziellen Musik, mit der Plattenindustrie geht er hart ins
Gericht. Im „Gefängnis der unterjochten und missbrauchten
Töne“ werde Musik, so der 59-Jährige, ausschließlich
dazu verwendet, um Geld zu verdienen: „Der Zwang, ein Lied
vergolden zu müssen, tötet den Geschmack.“
Ganz und gar nicht kommerziell, aber dafür mit vollem Körpereinsatz des Musikers am Flügel vorgetragen: Weckers derzeitiges Lieblingslied „Schlendern“ und der Klassiker „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ waren die Höhepunkte seines Auftritts und sorgten für begeisterten Applaus. Ich bin zwar kein großer Fan seiner Musik, aber die drei Stücke, die er spielte, haben mir gefallen. Und wenn man ihn am Flügel gesehen hat, dann glaubt man ihm auch, dass „Klavierspielen für mich fast die einzige Möglichkeit ist, Glück zu empfinden“.
Beim Thema Musikpädagogik hat der zweifache Vater und Komponist des Kindermusicals „Pinocchio“ ein ganz einfaches Rezept: „Bei der Erziehung gehört es einfach dazu, dass man immer wieder etwas falsch macht.“ Kinder müsse man ernst nehmen und liebevoll begleiten, auch bei der musikalischen Erziehung. „Man muss mit eigener Begeisterung dabei sein, dann werden auch die Kinder begeistert sein.“ Nach knapp eineinhalb Stunden Konstantin Wecker war dem Publikum klar, was er damit meint.