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Konstantin Wecker sucht die Stille

2006-12-04 @ 16:59 in Allgemein

Heute hatte ich das Vergnügen (es war auch wirklich eins), für das VOLKSBLATT den Auftritt von Konstantin Wecker (Fotos (c) Patrick Wötzel) im Rahmen der Vorlesung „Einführung in die musikpädagogische Psychologie“ an der Uni Würzburg besuchen zu dürfen. Mit der Psychologie seiner Musik hat der mittlerweile 59-jährige Liedermacher zwar nicht viel am Hut („Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“), trotzdem hatte er viel Interessantes zu sagen.

Nach der Lesung wichtiger Schlüsselstellen aus seinem teilweise autobiografischen Roman „Der Klang der ungeliebten ungespielten Töne“ bin ich mir jetzt schon sicher, dass ich mir das Buch unter den Weihnachtsbaum lege oder lieber legen lasse. Darin begibt sich ein erfolgreicher, aber unglücklicher Studiomusiker und Komponist auf die Suche nach dem Wesen der Musik, nach der Wahrhaftigkeit der Klänge. Finden kann er sie nur fern vom Lärm der Welt, in der eigenen Stille. „Ich hatte einen inneren Drang, so etwas schreiben zu müssen“, offenbarte Wecker im Gespräch mit seinem Gastgeber Professor Dr. Friedhelm Brusniak, Inhaber des Lehrstuhls für Musikpädagogik.

Er wolle sich in unserer von permanenter Lärmbelästigung geprägten Zeit „einen Raum der Stille“ bewahren, eine Revolution der Stille anzetteln, „um sich selbst wiederzufinden“, sagte der Liedermacher. Regelrecht belästigt fühlt sich Wecker vor allem von der in der Öffentlichkeit allgegenwärtigen kommerziellen Musik, mit der Plattenindustrie geht er hart ins Gericht. Im „Gefängnis der unterjochten und missbrauchten Töne“ werde Musik, so der 59-Jährige, ausschließlich dazu verwendet, um Geld zu verdienen: „Der Zwang, ein Lied vergolden zu müssen, tötet den Geschmack.“

Ganz und gar nicht kommerziell, aber dafür mit vollem Körpereinsatz des Musikers am Flügel vorgetragen: Weckers derzeitiges Lieblingslied „Schlendern“ und der Klassiker „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ waren die Höhepunkte seines Auftritts und sorgten für begeisterten Applaus. Ich bin zwar kein großer Fan seiner Musik, aber die drei Stücke, die er spielte, haben mir gefallen. Und wenn man ihn am Flügel gesehen hat, dann glaubt man ihm auch, dass „Klavierspielen für mich fast die einzige Möglichkeit ist, Glück zu empfinden“.

Beim Thema Musikpädagogik hat der zweifache Vater und Komponist des Kindermusicals „Pinocchio“ ein ganz einfaches Rezept: „Bei der Erziehung gehört es einfach dazu, dass man immer wieder etwas falsch macht.“ Kinder müsse man ernst nehmen und liebevoll begleiten, auch bei der musikalischen Erziehung. „Man muss mit eigener Begeisterung dabei sein, dann werden auch die Kinder begeistert sein.“ Nach knapp eineinhalb Stunden Konstantin Wecker war dem Publikum klar, was er damit meint.

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