HIV-Prozess: Ein weiteres Opfer meldet sich
Im Prozess gegen einen 38-jährigen Kenianer wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung ist möglicherweise ein weiteres Opfer des Angeklagten aufgetaucht: „Er hatte früher auch mit meiner Freundin ungeschützten Geschlechtsverkehr“, sagte ein Zeuge, der sich am zweiten Verhandlungstag bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte, vor dem Würzburger Schwurgericht.
Der angeklagte HIV-positive Discjockey sitzt seit März in Untersuchungshaft, weil er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft einen Rachefeldzug gegen deutsche Frauen geführt hat. Er soll versucht haben, sieben deutsche Frauen absichtlich mit dem HI-Virus zu infizieren, nachdem er sich bei seiner deutschen Ehefrau angesteckt hat. Zwei seiner Ex-Freundinnen sind heute ebenfalls HIV-positiv.
Nur drei Wochen lang war eine heute 20-Jährige vor zwei Jahren mit dem Angeklagten zusammen, trotzdem trägt sie den Aids-Erreger im Blut. Sie hat zwar zu Empfängnisverhütung die Pille genommen. Ein Kondom zu benutzen, kam ihr aber nicht in den Sinn: „HIV war für mich damals kein Thema, auch in der Schule wurden wir nicht darüber aufgeklärt."
Alle sieben Frauen haben gemeinsam, dass der Angeklagte ihnen vor der ersten Liebesnacht verschwieg, dass er mit dem Aids-Erreger infiziert war. Aber auch als sie davon wussten, hatten einige der Opfer weiterhin ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihm: „Ich war ja in ihn verliebt. Erst hinterher ist mir klar geworden, dass ich mit meinem Leben gespielt habe“, sagte eine 20-Jährige aus Mittelfranken. Sie hatte Glück und hat sich nicht angesteckt.
Jetzt ist möglicherweise ein achtes Opfer hinzukommen: Im Jahr 2005 habe seine Freundin eine intime Beziehung mit dem Angeklagten gehabt, sagte ein 35-jähriger Kraftfahrer, der sich am Donnerstag als Zeuge meldete: „Als sie erfuhr, dass er HIV-positiv ist, hat sie sich von ihm getrennt.“ Von dem Prozess habe er aus der Zeitung erfahren.
In seinen zahlreichen Beziehungen habe der Angeklagte immer dasselbe Verhalten an den Tag gelegt, berichtete die 42-jährige Kripo-Beamtin, die sämtliche Opfer vernommen hat. Erst habe er den Frauen seine HIV-Infektion verschwiegen. Wenn dann herauskam, dass er HIV-positiv ist, beruhigte er sie mit dem Hinweis, er bekomme so gute Medikamente, dass keine Ansteckungsgefahr bestehe. Der Prozess wird am 9. Januar fortgesetzt. Bis dahin soll die Kripo auch das neu aufgetauchte Opfer vernehmen.
Mehr zu dem Prozess unter anderem bei Spiegel online.
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