Joseph Smith, der gütige Prophet
geschrieben von mormonen | 14 Mär, 2008- In den sechzehn Jahren, die ich Kirchengeschichte lehre und mich intensiv mit der frühen Geschichte der Heiligen der Letzten Tage beschäftige, hat mich an dem Propheten Joseph Smith vor allem seine Güte beeindruckt. Sie war Teil seiner selbst und umschloß die Menschen aller Rassen und auch die Tiere. Als er mit Freunden in Liberty in Missouri eingekerkert war, schrieb er mehrere Briefe an seine Frau Emma. In einem sehr aufschlußreichen Brief erkundigt er sich in einem Satz nach seinen Söhnen und Töchtern, dann nach Joanna, seinem Pferd, und Old Major, seinem Hund, die er liebte und gut behandelte.
Es ist allgemein bekannt, daß Joseph und Emma Smith Zwillinge adoptierten und Julia, die die Angriffe des Pöbels in Hiram in Ohio überlebte, wie ihr eigenes Kind erzogen haben. Nach einer sehr schwierigen Ehe kehrte Julia zu Emma Smith zurück und wurde genauso liebevoll aufgenommen wie in ihrer Kindheit. Weniger bekannt sind vielleicht die vielen guten Taten, die nur in den Tagebüchern einzelner Mitglieder festgehalten wurden.
1841 kamen John Walker, seine Frau Lydia Adams Holmes und ihre zehn Kinder nach Nauvoo. Diese treue Familie hatte das Massaker bei Haun's Mill und die Verfolgungen seitens der Bewohner MIissouris überlebt, die 1838 und 1839 stattgefunden hatten. Jetzt kamen sie, völlig verarmt, aber mit großen Hoffnungen und Erwartungen, in der Mormonenstadt an. Sie zogen zum Bruder ihres Vaters und lernten Joseph Smith gleich am ersten Abend kennen.
Der Sommer brachte ihnen Schüttelfrost und Fieber, und Schwester Walker blieb ans Bett gefesselt. Als Joseph Smith hörte, wie krank sie war, kam er mit seiner Frau und holte Schwester Walker zu sich, weil er meinte, die Veränderung würde ihr gut tun. Doch Schwester Walker hielt es nicht lange ohne ihre Kinder aus und wollte zu ihnen zurück, obwohl sich ihr Gesundheitszustand nicht gebessert hatte. Ihr Bett wurde auf einen Schlitten gelegt, sie mit Decken umhüllt — inzwischen war es nämlich schon Winter geworden — und sie kehrte nach Hause zurück. Sie rief ihre Kinder zusammen, ermahnte sie, nie von der Wahrheit zu weichen und so zu leben, daß sie sie „in der Welt, in der es kein Leid und keine Tränen der Angst mehr geben wird”, wiedersehen könne. Dann schloß sie die Augen. „ihr Geist ging fort, nur ein himmlisches Lächeln blieb auf ihrem Gesicht zurück”.
Schwester Walker hinterließ zehn Kinder, das Jüngste war noch nicht ganz zwei Jahre alt. Das übergroße Leid schien zuviel für Bruder Walker, und bald bangte die Familie auch um sein Leben.
Als Joseph Smith davon erfuhr, eilte er wieder herbei. Er schlug Bruder Walker einen Ortswechsel vor, da er seiner Frau sonst bald nachfolgen werde, und meinte: „Sie haben Kinder, wie ich sie gern hätte. Mein Haus kann ihnen fürs erste ein Zuhause bieten. Ich rate Ihnen, Ihr Haus zu verkaufen, die Kleinen bei guten Freunden zu lassen und mir die vier ältesten zu geben. Ich will sie wie meine eigenen behandeln. Wenn ich sehe, daß sich die Kleinen nicht wohl fühlen oder daß man nicht gut zu ihnen ist, nehme ich sie auch zu mir, bis Sie zurückkommen.”
So geschah es, und die Mutter Joseph Smith' berichtet, daß der Prophet den Kindern häufig seinen Wagen lieh, damit sie ihre Geschwister besuchen konnten, die jetzt in anderen Teilen der Stadt lebten. Dann erkrankte die achtjährige Lydia an Hirnhautentzündung. Der Prophet bangte um ihr Leben und holte sie zu sich, seinem Versprechen getreu. Er betete für sie, pflegte sie wie sein eigenes Kind, aber sie überlebte nur wenige Tage und folgte dann ihrer Mutter nach. Emma und Joseph Smith gingen mit den anderen Kindern zur Beerdigung der kleinen Lydia. Eins nach dem anderen zogen die Kinder beim Propheten ein. Sie blieben in seinem Haus, bis er selbst starb. Dann kehrte ihr Vater wohlbehalten zurück, und sie begleiteten ihn in den Westen. Sie vergaßen nie, wie liebevoll Joseph und Emma Smith sich ihrer angenommen hatten.
Mary Ann Stearns, die Stieftochter Parley P. Pratts, berichtet in ihrer unveröffentlichten Autobiographie von einem Erlebnis ihrer Familie mit dem Propheten Joseph Smith, das seine große Güte widerspiegelt. Parley P. Pratt war mit Frau und Kindern und einer Gruppe Einwanderer von seiner Mission in England zurückgekehrt. Er hatte den Weg über St. Louis in Missouri gewählt, aber die Gruppe wurde von der kalten Witterung und den großen Eisblöcken, die auf dem fast zugefrorenen Mississippi trieben, fast vier Wochen aufgehalten. Als sie schließlich in Nauvoo ankamen, warteten die Mlitglieder in der Stadt schon ungeduldig auf sie, aber auch die Einwanderer aus Großbritannien konnten es kaum abwarten, den Propheten Joseph Smith zu sehen. Joseph Smith, sein Bruder Hyrum und viele andere kamen an den Landungssteg, um die Neuankömmlinge willkommen zu heißen. Bruder Pratt stellte den beiden Führern der Kirche die Gruppe vor, und als alle bis auf die Familie Pratt das Schiff verlassen hatten, kam der Prophet in ihre Kabine.
„Nach einer herzlichen Begrüßung setzte er sich, nahm die beiden Jungen, Nathan und Parley, auf die Knie und schien sehr bewegt zu sein. Bruder Pratt meinte: ‚Wir haben drei Kinder mitgenommen und fünf wieder mitgebracht: Da sagte Bruder Joseph: ‚Ja, Bruder Parley. Sie haben Ihre Ernte eingebracht.' Dabei strömten ihm die Tränen über die Wangen. Bruder Pratt, der sah, welche Gefühle dies hervorrief, sagte darauf: ,Wenn Sie sich so wenig über unsere Rückkehr freuen, müssen wir wohl wieder gehen', und auch ihm liefen Freudentränen über das Gesicht. Das schien den Bann zu brechen, jeder lachte wieder, und alle freuten sich. Joseph Smith stand auf und sagte: ,.Kommen Sie, Bruder Parley, bringen Sie Ihre ganze Familie zu mir, es ist nicht weit, und nach der weiten Reise fühlen Sie sich dort wohler.’“ Weil Schwester Pratt sehr krank war, wurde sie in einen bequemen Stuhl gesetzt, und Bruder Hodge trug sie mit anderen Begleitern des Propheten zu dessen Haus, wo die ganze Familie ein kleines Fest feierte.
Der Prophet begegnete allen Kindern Gottes mit Güte. Wie sehr er alle Menschen achtete, sehen wir an dem folgenden Bericht von Jane Manning aus dem Jahre 1893. Schwester Manning, eine Negerin, hatte sich 1842 in Connecticut der Kirche angeschlossen. Unter großen persönlichen Opfern und großer Gefahr machte sie sich mit mehreren anderen schwarzen Mitgliedern auf den Weg nach Nauvoo. Sie liefen, bis ihre Schuhe auseinanderfielen und ihre Füße so wund waren, daß sie bluteten und sie blutige Fußspuren hinterließen. In Peoria in Illinois drohte die Obrigkeit, sie ins Gefängnis zu sperren, falls ihre Papiere nicht in Ordnung seien. Sie zeigten ihre Papiere vor und wurden freigelassen. Sie mußten auf ihrer Wanderung noch Flüsse überqueren, in denen ihnen das Wasser bis zum Halse reichte. Als sie schließlich in Nauvoo ankamen, wurden sie zu Joseph Smith geführt, und Jane Manning berichtet darüber:
„Schwester Emma stand in der Tür und sagte freundlich: ,Kommen Sie nur herein!' Bruder Joseph sagte zu ein paar weißen Schwestern, die da waren : Schwestern, ich möchte, daß Sie hier heute abend mit einigen Brüdern und Schwestern zusammenkommen, die gerade eingetroffen sind.' Bruder Joseph stellte Stühle auf, brachte Schwester Emma und Dr. Bernhisel herein und stellte sie uns vor. Dann setzte er sich zu mir und sagte: ,Sie haben diese kleine Gruppe angeführt, nicht wahr?' Ich antwortete: ‚la.' Dann sagte er: ‚Gott segne Sie! Erzählen Sie uns, was Sie unterwegs erlebt haben.’ Ich erzählte alles, was ich oben aufgeführt habe, nur viel ausführlicher, weil ich inzwischen einiges wieder vergessen habe. Bruder Joseph schlug Dr. Bernhisel aufs Knie und sagte: ,Was halten Sie davon, Doktor, ist das nicht Glauben?' Der Doktor sagte : ,Ja, das ist es, und wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, hätte ich vielleicht aufgegeben und wäre nach Hause gegangen:’“
Die ganze Gruppe blieb eine Woche im Haus des Propheten, bis für eine geeignete Unterkunft gesorgt war. Der Prophet kam jeden Morgen in ihr Zimmer, um zu sehen, wie es seinen Gästen ging, und gab Jane neue Kleider, weil sie unterwegs alles verloren hatte. Eines Morgens sah er, dal3 sie weinte, weil alle außer ihr eine neue Bleibe gefunden hatten. Er verließ das Zimmer, sprach kurz mit seiner Frau, und bat Jane Manning, in seinem Haus zu bleiben. Sie blieb, bügelte, wusch und kochte für die Familie und vergaß nie, wie gut Joseph und Emma Smith zu ihr gewesen waren.
Sie starb im April 1908 als treues Mitglied der Kirche.
Ein anderer Fall: Emily Williams, eine Witwe, die damals noch kein Mitglied der Kirche war, hatte eine kleine Tochter, die sehr krank wurde. Nach etlichen Tagen gab der Arzt jede Hoffnung auf. Als Emily Williams hörte, Joseph Smith sei nach Michigan gekommen, um Verwandte zu besuchen, bat sie ihn, ihrem Kind einen Krankensegen zu geben. Der Prophet kam mit seinem Vater. Er kniete sich bei dem Kind nieder, legte ihm die Hände auf den Kopf und versprach ihm, es werde genesen. Emily berichtet: „Das Mädchen drehte sich um, die Krämpfe ließen nach, und sie schlief ein. Am nächsten Morgen war sie völlig gesund. "
So war der Prophet Joseph Smith ein Vorbild an Güte und Liebe gegenüber allen Menschen, und wir tun gut daran, ihm heute nachzueifern.
Kenneth W. Godfrey, Dezember 1978