John Taylor - ein Brief aus dem Exil
geschrieben von mormonen | 14 Mär, 2008 John Tavlor. der dritte Präsident der Kirche. wurde am 1. November 1808 in Milnthorp in England geboren. Am 19. Dezember 1838 wurde er von Brigham Young und Heber C. Kimball zum Apostel ordiniert. Am 6. Oktober 1877 wurde er Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel und am 10. Oktober 1880, im Alter von 71 Jahren,
Präsident der Kirche. Er starb am 25. Juli 1887 in
Kavsville Utah im Alter von 78 Jahren.
Brief von John Taylor. Dieser Brief wurde den Mit gliedern der Kirche im April 1886 auf der Generalkonferenz vorgelesen.
Zu dieser Zeit hatte die Kirche unter heftiger Verfolgung zu leiden. Ihre Gegner in Utah und anderen Bundesstaaten, die regionale und überregionale Presse und viele Geistliche anderer Glaubensgemeinschaften .führten eine Herz- und Verleumundungskampagne gegen die Kirche. die sich hauptsächlich gegen die Lehre von der Vielehe richtete Das führte dazu. daß die Bundesregierung rigorose Gesetze erließ, die jedem der in Vielehe lebte, das Wahlrecht. die Annahme eines öffentlichen Amtes und die Bestätigung als Schöffe versagten. Darüber hinaus konnte jeder, der eine Vielehe einging, zu einer Geldstrafe von 500 Dollar und fünf Jahren Haft verurteilt werden.
Diese Gesetze richteten sich einzig und allein gegen die Heiligen der Letzten Tage. und die Bundesbeamten, die nach Utah entsandt wurden. setzten im Verein mit dortigen Gegnern der Kirche alles daran, die Mitglieder aufzuspüren und vor Gericht zu bringen, die in Vielehe lebten. Frauen und Kinder wurden gezwungen, gegen ihren Ehemann beziehungsweise Vater auszusagen. So waren ansonsten gesetzestreue Männer gezwungen, .sich verborgen zu halten.Unter ihnen befanden sich etliche Führer der Kirche. wie John Taylor und sein Ratgeber George Cannon. Joseph F. Smith, der Zweite Ratgeber John Taylors, war damals gerade auf Mission in Hawaii.
Und so schrieben John Tavlor und George Cannon aus denn Exil folgenden Brief.
Wir haben allen Grund, dankbar zu sein, mögen wir auch noch so sehr verfolgt werden. Unser Land trägt im Überfluß. Weder Mensch noch Tier muß bei uns Hunger leiden. Kein Bettler bittet auf unseren Straßen um ein Almosen, und jeder hat, was er zum Leben braucht. Wir haben genug zu essen, bequeme Kleidung. ein schönes Zuhause, und Gott segnet uns mit seinem unschätzbaren Frieden, den er jedem treuen Heiligen der Letzten Tage schenkt — Frieden im Herzen, in der Familie, in unserem Gemeinwesen. Diesen Frieden kann uns die Welt – Gott sei Dank — auch nicht nehmen. Seien Sie deshalb dankbar, Brüder und Schwestern, preisen Sie den Herrn für seine Güte und Barmherzigkeit. Er hat Zion seine Verheißungen gegeben; seien Sie gewiß, er wird Sie nicht vergessen. Mag Zion auch mit den Worten des Propheten lesaja sagen: „Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen" (Jesaja 49:14). Der Herr antwortet darauf:
„Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir" (,lesaja 49:15, 16).
Niemals hat der Herr seinem Volk verheißen, sein Glaube werde nicht geprüft werden.
Schon bald nach der Gründung der Kirche sagte der Herr 7U seinem Volk: „Denn ich habe in meinem Herzen beschlossen, spricht der Herr, euch in allen Dingen zu prüfen, ob ihr meinem Bunde treu bleiben werdet, sogar bis zum Tode, damit ihr möchtet würdig erfunden werden. Denn wenn ihr meinem Bunde nicht treu bleibt, seid ihr meiner nicht wert " (LuB 98:14. 15). Wir brauchen Sie wohl kaum daran zu erinnern, daß Sie, solange der Satan noch Macht hat, mit Prüfungen rechnen müssen, wenn Sie nach Christi Geboten leben wollen.
In der Vorsehung des Allmächtigen erfüllt die Verfolgung einen bestimmten Zweck. Jedes treue Mitglied muß dies verstehen und akzeptieren. Jeder sieht die Auswirkungen an sich selbst, an seinen Freunden und Nachbarn. Verfolgung festigt den Charakter. Durch sie lernen wir uns selbst besser kennen. Wir entdecken an unseren Brüdern und Schwestern Eigenschaften, die uns vorher vielleicht verborgen waren. Die Nachstellungen der vergangenen achtzehn Monate waren wohl recht schmerzlich für uns alle, doch haben sie ihren Zweck gewiß nicht verfehlt. Die Getreuen haben neuen Mut geschöpft und blicken zielstrebig vorwärts. Viele, die nachlässig und gleichgültig geworden waren, haben sich von ihrer Trägheit losgesagt und sich mit neuem Eifer dem Herrn geweiht. Die Heuchelei von vielen ist offen zutage getreten, sie haben die Maske der Freundschaft und Gemeinschaft abgeworfen und ihren wahren Charakter offenbart. Doch vor allem hat sich die Verfolgung auf unsere jüngsten Mitglieder ausgewirkt. Viele Jungen und Mädchen waren in der friedlichen Zeit, als ihre Eltern und Freunde nicht bedroht waren, der Meinung, sie könnten ohne jedes Risiko für sich selbst oder ihren Glauben in enger Gemeinschaft mit der Welt leben. Der Unterschied zwischen uns und der Welt sagte ihnen nichts. Sie glaubten, sie könnten mit beiden in Freundschaft leben. Jeder erfahrene Heilige der Letzten Tage weiß, wie gefährlich solche Ansichten für unsere Kinder sind. Die Verfolgungen haben sie jedoch recht unsanft aus diesen Träumen gerissen. Die Kluft zwischen den Heiligen der Letzten Tage und der Welt ist so deutlich geworden, daß sie (falls sie nicht abgefallen sind) für ihre Eltern und Freunde Partei ergreifen müssen; das ist ihnen schärfer ins Bewußtsein getreten als je zuvor. So hat die heranwachsende Generation eine überraschend enge Bindung zueinander gefunden. Das macht auch auf die kleineren Kinder einen Eindruck, den die Jahre niemals auslöschen werden. Mit Schmerzen erfahren sie am eigenen Leib, wovon der Herr gesprochen hat, als er sagte: „Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasset euch die Welt " (Johannes 15:19).
Die Welt wird es erfahren: der Glaube. den Jesus die Apostel und durch sie die Welt lehrte und der damals wie heute die gleichen Früchte hervorbringt, läßt sich in einem reinen Volk nur ausrotten, wenn man es vernichtet. Diesen Glauben hat der Herr der Erde zurückgegeben, und er ist unter uns zu finden. Solange die Männer und Frauen, die solchen Glauben haben, rein bleiben, kann er weiterleben und rechtschaffene Früchte hervorbringen. Das hat jeder Heilige der Letzten Tage bewiesen. Doch muß der Glaube genährt werden. Nur dann kann er wachsen. Gegenwärtig müssen sich die Heiligen der Letzten Tage mit all ihrer Kraft ihrer Religion weihen. Sie müssen so leben, daß der Heilige Geist mit ihnen sein kann. Seine Gaben brauchen jeder Mann und jede Frau. wenn sie die Prüfungen bestehen wollen, die noch auf sie zukommen. Wir halten es für angebracht, daß wir die Heiligen der Letzten Tage eindringlich vor jeglicher Unmoral und Unkeuschheit warnen. Man beschuldigt uns ständig, wir lehrten und praktizierten unter dem Deckmantel der Religion sexuelle Ausschweifungen. Keine Anklage ist weniger begründet als diese, denn so strikt und nachdrücklich wie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage haben seit Anbeginn der Welt keine Philosophie, keine Ethik oder Religion gelehrt, wie überaus wichtig die Reinheit in der Beziehung zwischen den Geschlechtern ist. Dessen sind sich die Mitglieder wohl bewußt. Handeln wir also unserem Glauben gemäß; denn wir können sichergehen, daß uns weder persönliches Ansehen, Familienbande oder Reichtum vor Strafe schützen, wenn wir das Gesetz Gottes darin hintergehen. Erst vor wenigen Wochen hatte der Rat der Zwölf die traurige Aufgabe, einen Mann aus der Gemeinschaft der Heiligen zu entfernen, der das Gesetz der Keuschheit übertreten hatte. Er war gebildet, erfahren, intelligent, seit langem Mitglied der Kirche: doch weder das noch seine hohe Berufung im Priestertum konnten ihn vor der Strafe bewahren, nachdem er das Gesetz so leichtfertig übertreten hatte. Wie ihm muß es jedem anderen ergehen. Die Beamten der Kirche müssen die Gesetze gerecht und unparteiisch zur Ausführung bringen. Darin liegt keine Böswilligkeit gegen irgendeinen Menschen, sondern es geht darum, die Gebote Gottes und seinen heiligen Namen zu achten. Höre es. Haus Israel! Hört es, die ihr das celestiale Reich unseres Vaters erlangen wollt: nur wer ein reines Herz hat, kann Gott schauen: nur wer all seine Wünsche und Neigungen völlig seinem Gesetz unterworfen hat, kann in seiner ewigen Gegenwart bestehen! Vergessen wir auch nicht, daß der Zustand einer Gemeinschaft davon abhängt, in welcher Verfassung sich jeder einzelne befindet, der dazugehört. Sie ist so gut wie die Teile, aus denen sie sich zusammensetzt. Wenn in einem Volk jeder einzelne weise, gerecht, klug, ehrlich, ehrenhaft und rein ist, zeichnet sich das ganze Volk vor allen anderen Völkern aus. Für uns heißt das: wenn jeder einzelne von uns will, daß die Kirche Jesu Christi sich wie eine Braut auf das Kommen des Erlösers vorbereitet, so müssen wir persönlich nach unserer Religion leben und die Tugenden verkörpern. die der Herr von seiner Braut erwartet. Reinheit; Glauben, Fleiß und gute Werke können wir nicht unserem Nachbarn überlassen. Jeder muß selbst seine Pflicht tun, sein Haus in Ordnung bringen, seine Berufung erfüllen, sich Gott nahen, wenn er erwartet, daß Gott sich ihm naht.
November1978