Heber J. Grant - Ein Mann ohne Ausflüchte
geschrieben von mormonen | 15 Jun, 2008Die Menschen haben für all das, was sie nicht tun, alle möglichen Gründe. Manche wollen nicht in den Krieg ziehen. Andere wollen nicht arbeiten. Manche entschuldigen sich mit der Verantwortung, die sie tragen. Einige behaupten, zu müde, krank, beschäftigt, arm oder selbstbewußt zu sein, um mitzumachen. Manche meinen, sie hätten nur für Größeres Talent. Es gibt da solche, die lieber jemand anders etwas tun lassen, und wieder andere, die eine ganze Menge über Liebe und Frieden zu sagen wissen und darüber, daß man seine Menschlichkeit zum Zuge kommen lassen soll. Ja, so gibt es wirklich alle möglichen Beweggründe und die verschiedensten Menschen.
Und dann war da Heber J. Grant, der siebte Präsident der Kirche. Heber J. Grant brauchte nur einen guten Grund, um etwas zu tun, und schon tat er es. Auch wenn es keine leichte Aufgabe zu meistern galt, so arbeitete er doch so lange daran, bis er etwas Vernünftiges zustande gebracht hatte. Mit Begeisterung wurde er mit dem Unmöglichen fertig, und wirkliche Probleme ging er mit offensichtlichem Frohsinn an. Wenn es ihm schien, daß er für eine bestimmte Sache nicht die angeborene Gabe besaß, sie zu vollenden, übte und betete er so lange, bis er die betreffende Fertigkeit erlangt hatte.
Heber J. Grant war ein Mann ohne Ausflüchte, ob es nun darum ging, die Kirche vor dem finanziellen Ruin zu retten oder bei Liedern der Kirche die Stimme zu halten. So wurde er erzogen. Sowohl Brigham Young (in dessen Familie Heber J. Grant ungezählte schöne Stunden verbrachte) als auch Rache! Ivins Grant (seine verwitwete Mutter) hatten eines gemeinsam: sie hatten den Wert der Selbstbeherrschung erkannt und forderten von sich das Beste, was zu geben sie imstande waren. Der kleine Heber nahm diese Haltung in sich auf und ging noch einen Schritt weiter. Er wuchs mit dem Glauben auf, daß es keinen Grund für ihn gäbe, weshalb er nicht alles mit der Hilfe des Herrn schaffen könnte, wozu er sich entschlossen hatte. Oft zitierte er Emerson': „Das, was wir beharrlich weiter tun, wird leichter für uns. Nicht etwa, daß sich die Sache selbst geändert hätte; nein, unsere Kraft, sie zu tun, hat sich vergrößert.” Und er lebte danach.
Er erzählte gern davon, wie er einen Baseball so werfen lernte, daß er in die beste Mannschaft aufgenommen wurde, und wie er sich abmühte, seine Handschrift zu verbessern. Seine Handschrift wurde schließlich als ungewöhnlich schön angesehen. Er verlieh seiner Freude darüber von der Kanzel Ausdruck, daß man den Herrn auf wunderbare Weise verehren könne, wenn man zusammen mit den Heiligen die Lieder der Kirche singt. Und dann erklärte er auch, wie sehr er sich darüber freue, so viele Lieder in so viel Tagen zu lernen und zu wissen, daß er sie völlig richtig und ohne Fehler singen könne.
Eines seiner Lieblingsthemen bei seinen Reden war, die Leute zu ermuntern, daß sie darangehen sollen, sich um ein vollkommeneres Leben zu bemühen. Mit Nachdruck verkündigte er, daß die Macht persönlicher Erlösung und Erhöhung in jedem selbst stecke. Er sagte: „Wir sind die Baumeister unseres eigenen Lebens, nicht nur des jetzigen, sondern auch dessen, welches sich daran anschließt und ewig dauern wird. Nie wurde uns ein Gebot gegeben, ohne daß Gott uns nicht auch die Kraft gegeben hat, dies Gebot zu halten.” Und sein Rat war es, diese Kraft in unserem täglichen -Leben voll zu entfalten.
Heber Jeddy Grant wurde am 22. November 1856 als Kind Jedediah M. Grants und seiner Frau Kachel in Salt ,Lake City geboren. Sein Vater war ein Ratgeber Präsident Youngs und starb, als Heber erst neun Tage alt war. Seine Mutter erhielt den Trost, daß ihr Sohn zu einem Apostel von sogar noch größerer Bedeutung aufwachsen würde als sein großartiger Vater. Sie riet ihm immer, sich so zu benehmen und gehorsam zu sein, daß er einst dieser Segnung würdig sein würde.
Sein Leben erstreckte sich über eine der interessantesten Epochen der Weltgeschichte. Die Zeit, als er Präsident und Prophet der Kirche war, erforderte fähige und furchtlose Führerschaft. Der Herr hatte dafür gesorgt, daß Heber J. Grant darauf vorbereitet war, durchzuhalten, den Prinzipien zu folgen und sich fest auf Gott zu stützen.
Dies waren Eigenschaften, die erforderlich waren, um ein Volk während einer Zeit zu stärken, als zwei Weltkriege tobten, Finanzkrisen herrschten und die Kirche schnell wuchs, da in aller Welt an der Bekehrung von Menschen gearbeitet wurde.
Heber J. Grant stand während seines ganzen Lebens seiner Familie sehr nah, besonders seinen Kindern und seinen Kindeskindern sowie denjenigen, mit denen sie zusammen durchs Leben gehen wollten. Eine Tochter, die nicht zu Hause wohnte, sagte: „Vater war ein fleißiger Briefschreiber. Hätte ich seine Briefe so schnell beantwortet wie er meine, so hätten wir uns zweimal die Woche geschrieben . . . Alle fingen sie gleich an: ,Es ist zwei (manchmal drei) Uhr morgens, und ich kann nicht schlafen. Also dachte ich mir, ich könnte ja ein bißchen mit meiner geliebten Tochter plaudern.' Niemand kann ermessen, wie ich diese Briefe vermißt habe, nachdem er hingeschieden ist.”
Als junger Mann besuchte Heber J. Grant eine Versammlung, in der zu Spenden aufgerufen wurde. Nach der Versammlung übergab er seinem Bischof 50 $. Der Bischof gab ihm 45 $ und sagte, daß 5 $ sein gerechter Anteil seien. Heber J. Grant gab dem Bischof aber die ganzen 50 $ mit folgender Begründung: ,,;Bischof Woolley, haben Sie nicht heute gerade in Ihrer Rede gesagt, daß es der Herr vierfach vergelten werde? Meine Mutter ist Witwe, und sie braucht 200 $.' Er sagte: ,Mein Junge, meinst du wirklich, daß du deine 200 $ schneller bekommst, wenn ich die 45 $ auch noch nehme?' Ich erwiderte: ,Gewiß doch.' Nun, er nahm sie." Als Heber J. Grant dann fortging, fiel ihm etwas ein. Er telegraphierte einem Mann, den er nicht kannte, und schloß ein Geschäft ab. Heber J. Grants Gewinn belief sich auf 218.50 $. Am nächsten Tag ging er zu seinem Bischof und sagte: „Bischof, ich habe 218.50 $ verdient, nachdem ich Ihnen die Spende über 50 $ übergeben hatte. Also schulde ich Ihnen 21.85 $ Zehnten. Ich muß mir noch die Differenz zwischen 18.50 $ und 21.85 $ von irgendwo her besorgen. Der Herr hat mir nämlich nicht genau den Zehnten für dies 4:1-Einkommen dazugegeben.”
Zu einer bestimmten Zeit seines Lebens erfuhr Bruder Grant einige ernste finanzielle Rückschläge. Er sagte selbst: „Ich hatte genau 91.000 $ weniger als nichts.”
Er wurde dazu berufen, eine Mission in Japan zu eröffnen und über sie zu präsidieren, und er hatte ein Jahr Zeit, um alles vor seiner Abfahrt in Ordnung zu bringen.
Nach der Versammlung, in der er berufen wurde, sagte ein anderer Apostel zu Heber J. Grant, daß der Präsident der Kirche ihn nie berufen hätte, wenn er von der schwierigen finanziellen Situation gewußt hätte, in der er sich befand. Bruder Grant stimmte ihm zu. In diesem Augenblick legte Bruder Grant alles in die Hände des Herrn, und jeden Morgen betete er im wesentlichen dies: „Hilf mir bitte, daß ich heute etwas tun kann, was mir hilft, meine Schulden loszuwerden.” Innerhalb eines Jahres waren alle seine Gläubiger bezahlt. Er war jetzt nicht nur seine Schulden Ios, sondern hatte auch noch genug, um seine Mission zu finanzieren.
Als Heber J. Grant reifer wurde, reifte auch sein Glaube an Gott. Seine Frau lag schwer krank danieder, und Heber J. Grant rief seine Kinder in ihr Zimmer im Krankenhaus und sagte ihnen, daß ihre Mutter sterben müsse. Als seine Tochter dies hörte, bat sie ihren Vater inständig, ihre Mutter nicht sterben zu lassen. Sie bat ihn, doch ihretwegen sein Priestertum auszuüben. Darauf verließ sie mit den anderen Kindern das Zimmer, und Bruder Grant kniete am Bett seiner Frau nieder. Präsident Grant sagte später über dies Gebet:
„Ich sagte dem Herrn, daß ich seine Hand im Leben und im Tode, in Freud und Leid, in Wohlstand und Not anerkenne. Ich klagte nicht darüber, daß meine Frau im Sterben lag, sondern vielmehr darüber, daß es mir an Stärke mangelte, mitanzusehen, wie meine Frau stirbt und wie ihr Tod den Glauben meiner Kinder an die heiligen Handlungen des Evangeliums beeinträchtigt. Ich flehte ihn deshalb an, daß er doch meiner Tochter ,Lutie' (Lucy) ein Zeugnis geben möchte, daß es sein Wille sei, ihre Mutter sterben zu lassen. Nach ein paar kurzen Stunden ging meine Frau heim. Daraufhin rief ich die Kinder ins Zimmer und sagte ihnen, daß ihre Mamma gestorben sei. Mein kleiner Sohn Heber fing bitterlich zu weinen an. Doch Lutie schloß ihn in ihre Arme, küßte ihn und sagte ihm, daß er aufhören solle zu weinen, da die Stimme des Herrn ihr gesagt hätte: ,Es ist der Wille des Herrn, daß deine Mamma sterben wird.' Lutie wußte nichts von meinem Gebet. Die Kundgebung, die sie hatte, war eine direkte Erhörung meines Flehens zum Herrn, und ich habe nie aufgehört, dafür dankbar zu sein."
Als Lutie herangewachsen war, präsidierte sie über die GFVJD. Ihr Vater pflegte davon zu berichten, wie er einmal Lutie auf einer Konferenz vor jungen Leuten Zeugnis geben gehört hat, daß sie dankbar sei, daß ihr Eltern das Leben geschenkt hätten, die sich im Tempel des Herrn hätten siegeln lassen. Präsident Grant weinte, als er sich erinnerte, daß der Tempel in Salt Lake City noch nicht fertiggestellt war, als er heiratete, und daß Freunde ihm dazu geraten hatten, noch so lange mit einer Eheschließung im Tempel zu warten. Er aber entschloß sich, daß er sich doch die besondere Mühe machen wollte, mit seiner Braut nach St. George zu fahren (was früher gar nicht so einfach war), um sich dort gleich zu Beginn ihrer Ehe siegeln zu lassen.
Obgleich Heber J. Grant sehr viel von sich selbst forderte, erkannte er doch bald, wie wichtig es ist, daß man nicht über die Unvollkommenheit anderer Menschen zu Gericht sitzt. Er erzählt, wie 'er zu der Erkenntnis dieser Wahrheit gekommen ist. Er war zur Kirche gegangen und hörte, wie der Sprecher ein paar grammatische Fehler in seinen Eröffnungsworten machte.
Heber J. Grant freute sich, daß er wohl genügend Material für ein Fach in der Schule zusammentragen könnte, in dem er grammatische Fehler zum gemeinsamen Korrigieren vortragen mußte. Als er mit dem Schreiben begann, konzentrierte er sich auf die Fehler, wurde aber statt dessen so von dem Geiste des Sprechenden ergriffen, daß er weinte, als dieser von der Göttlichkeit des Heilands, der Mission Joseph Smiths und dem Werk des Herrn in dieser Kirche Zeugnis ablegte.
Bruder Grant beendete seine Geschichte, indem er sagte: „Während der Jahre, die seit dieser Zeit vergangen sind, habe ich mich nie mehr daran gestoßen, wenn Leute, die das Evangelium verkündigten, grammatische Fehler machten oder Worte falsch aussprachen. Ich habe erkannt, daß es so war, als richte man einen Menschen nach der Kleidung. Von jenem Tage an hat mich vor allem andern der Geist und die Inspiration des lebendigen Gottes beeindruckt, die ein Mensch beim Verkündigen des Evangeliums gehabt hat, und nicht die Sprache, denn schließlich gibt es doch sehr viele, die im lebenslangen Kampf um das Geld nie die Möglichkeit gehabt haben, die Mittel zu erlangen, die erforderlich gewesen wären, um sich auf attraktive Weise zu kleiden. Von diesem Tage an habe ich mich bemüht, die Menschen nach dem Geist zu beurteilen, den sie haben, und ich muß sagen, daß ich damit Erfolg gehabt habe.”
So war Heber J. Grant — ein Präsident, der sich nie davor scheute, etwas zu versuchen, der sich nicht scheute, seine Meinung zu ändern, nachdem er etwas dazugelernt hatte. Er war ein Präsident, der ohne Rücksicht auf das, was die Leute über ihn dachten und was es auch kostete, zu dem stand, was er als richtig erkannt hatte.
Leon R. Harshorn, Februar 1973
Und dann war da Heber J. Grant, der siebte Präsident der Kirche. Heber J. Grant brauchte nur einen guten Grund, um etwas zu tun, und schon tat er es. Auch wenn es keine leichte Aufgabe zu meistern galt, so arbeitete er doch so lange daran, bis er etwas Vernünftiges zustande gebracht hatte. Mit Begeisterung wurde er mit dem Unmöglichen fertig, und wirkliche Probleme ging er mit offensichtlichem Frohsinn an. Wenn es ihm schien, daß er für eine bestimmte Sache nicht die angeborene Gabe besaß, sie zu vollenden, übte und betete er so lange, bis er die betreffende Fertigkeit erlangt hatte.
Heber J. Grant war ein Mann ohne Ausflüchte, ob es nun darum ging, die Kirche vor dem finanziellen Ruin zu retten oder bei Liedern der Kirche die Stimme zu halten. So wurde er erzogen. Sowohl Brigham Young (in dessen Familie Heber J. Grant ungezählte schöne Stunden verbrachte) als auch Rache! Ivins Grant (seine verwitwete Mutter) hatten eines gemeinsam: sie hatten den Wert der Selbstbeherrschung erkannt und forderten von sich das Beste, was zu geben sie imstande waren. Der kleine Heber nahm diese Haltung in sich auf und ging noch einen Schritt weiter. Er wuchs mit dem Glauben auf, daß es keinen Grund für ihn gäbe, weshalb er nicht alles mit der Hilfe des Herrn schaffen könnte, wozu er sich entschlossen hatte. Oft zitierte er Emerson': „Das, was wir beharrlich weiter tun, wird leichter für uns. Nicht etwa, daß sich die Sache selbst geändert hätte; nein, unsere Kraft, sie zu tun, hat sich vergrößert.” Und er lebte danach.
Er erzählte gern davon, wie er einen Baseball so werfen lernte, daß er in die beste Mannschaft aufgenommen wurde, und wie er sich abmühte, seine Handschrift zu verbessern. Seine Handschrift wurde schließlich als ungewöhnlich schön angesehen. Er verlieh seiner Freude darüber von der Kanzel Ausdruck, daß man den Herrn auf wunderbare Weise verehren könne, wenn man zusammen mit den Heiligen die Lieder der Kirche singt. Und dann erklärte er auch, wie sehr er sich darüber freue, so viele Lieder in so viel Tagen zu lernen und zu wissen, daß er sie völlig richtig und ohne Fehler singen könne.
Eines seiner Lieblingsthemen bei seinen Reden war, die Leute zu ermuntern, daß sie darangehen sollen, sich um ein vollkommeneres Leben zu bemühen. Mit Nachdruck verkündigte er, daß die Macht persönlicher Erlösung und Erhöhung in jedem selbst stecke. Er sagte: „Wir sind die Baumeister unseres eigenen Lebens, nicht nur des jetzigen, sondern auch dessen, welches sich daran anschließt und ewig dauern wird. Nie wurde uns ein Gebot gegeben, ohne daß Gott uns nicht auch die Kraft gegeben hat, dies Gebot zu halten.” Und sein Rat war es, diese Kraft in unserem täglichen -Leben voll zu entfalten.
Heber Jeddy Grant wurde am 22. November 1856 als Kind Jedediah M. Grants und seiner Frau Kachel in Salt ,Lake City geboren. Sein Vater war ein Ratgeber Präsident Youngs und starb, als Heber erst neun Tage alt war. Seine Mutter erhielt den Trost, daß ihr Sohn zu einem Apostel von sogar noch größerer Bedeutung aufwachsen würde als sein großartiger Vater. Sie riet ihm immer, sich so zu benehmen und gehorsam zu sein, daß er einst dieser Segnung würdig sein würde.
Sein Leben erstreckte sich über eine der interessantesten Epochen der Weltgeschichte. Die Zeit, als er Präsident und Prophet der Kirche war, erforderte fähige und furchtlose Führerschaft. Der Herr hatte dafür gesorgt, daß Heber J. Grant darauf vorbereitet war, durchzuhalten, den Prinzipien zu folgen und sich fest auf Gott zu stützen.
Dies waren Eigenschaften, die erforderlich waren, um ein Volk während einer Zeit zu stärken, als zwei Weltkriege tobten, Finanzkrisen herrschten und die Kirche schnell wuchs, da in aller Welt an der Bekehrung von Menschen gearbeitet wurde.
Heber J. Grant stand während seines ganzen Lebens seiner Familie sehr nah, besonders seinen Kindern und seinen Kindeskindern sowie denjenigen, mit denen sie zusammen durchs Leben gehen wollten. Eine Tochter, die nicht zu Hause wohnte, sagte: „Vater war ein fleißiger Briefschreiber. Hätte ich seine Briefe so schnell beantwortet wie er meine, so hätten wir uns zweimal die Woche geschrieben . . . Alle fingen sie gleich an: ,Es ist zwei (manchmal drei) Uhr morgens, und ich kann nicht schlafen. Also dachte ich mir, ich könnte ja ein bißchen mit meiner geliebten Tochter plaudern.' Niemand kann ermessen, wie ich diese Briefe vermißt habe, nachdem er hingeschieden ist.”
Als junger Mann besuchte Heber J. Grant eine Versammlung, in der zu Spenden aufgerufen wurde. Nach der Versammlung übergab er seinem Bischof 50 $. Der Bischof gab ihm 45 $ und sagte, daß 5 $ sein gerechter Anteil seien. Heber J. Grant gab dem Bischof aber die ganzen 50 $ mit folgender Begründung: ,,;Bischof Woolley, haben Sie nicht heute gerade in Ihrer Rede gesagt, daß es der Herr vierfach vergelten werde? Meine Mutter ist Witwe, und sie braucht 200 $.' Er sagte: ,Mein Junge, meinst du wirklich, daß du deine 200 $ schneller bekommst, wenn ich die 45 $ auch noch nehme?' Ich erwiderte: ,Gewiß doch.' Nun, er nahm sie." Als Heber J. Grant dann fortging, fiel ihm etwas ein. Er telegraphierte einem Mann, den er nicht kannte, und schloß ein Geschäft ab. Heber J. Grants Gewinn belief sich auf 218.50 $. Am nächsten Tag ging er zu seinem Bischof und sagte: „Bischof, ich habe 218.50 $ verdient, nachdem ich Ihnen die Spende über 50 $ übergeben hatte. Also schulde ich Ihnen 21.85 $ Zehnten. Ich muß mir noch die Differenz zwischen 18.50 $ und 21.85 $ von irgendwo her besorgen. Der Herr hat mir nämlich nicht genau den Zehnten für dies 4:1-Einkommen dazugegeben.”
Zu einer bestimmten Zeit seines Lebens erfuhr Bruder Grant einige ernste finanzielle Rückschläge. Er sagte selbst: „Ich hatte genau 91.000 $ weniger als nichts.”
Er wurde dazu berufen, eine Mission in Japan zu eröffnen und über sie zu präsidieren, und er hatte ein Jahr Zeit, um alles vor seiner Abfahrt in Ordnung zu bringen.
Nach der Versammlung, in der er berufen wurde, sagte ein anderer Apostel zu Heber J. Grant, daß der Präsident der Kirche ihn nie berufen hätte, wenn er von der schwierigen finanziellen Situation gewußt hätte, in der er sich befand. Bruder Grant stimmte ihm zu. In diesem Augenblick legte Bruder Grant alles in die Hände des Herrn, und jeden Morgen betete er im wesentlichen dies: „Hilf mir bitte, daß ich heute etwas tun kann, was mir hilft, meine Schulden loszuwerden.” Innerhalb eines Jahres waren alle seine Gläubiger bezahlt. Er war jetzt nicht nur seine Schulden Ios, sondern hatte auch noch genug, um seine Mission zu finanzieren.
Als Heber J. Grant reifer wurde, reifte auch sein Glaube an Gott. Seine Frau lag schwer krank danieder, und Heber J. Grant rief seine Kinder in ihr Zimmer im Krankenhaus und sagte ihnen, daß ihre Mutter sterben müsse. Als seine Tochter dies hörte, bat sie ihren Vater inständig, ihre Mutter nicht sterben zu lassen. Sie bat ihn, doch ihretwegen sein Priestertum auszuüben. Darauf verließ sie mit den anderen Kindern das Zimmer, und Bruder Grant kniete am Bett seiner Frau nieder. Präsident Grant sagte später über dies Gebet:
„Ich sagte dem Herrn, daß ich seine Hand im Leben und im Tode, in Freud und Leid, in Wohlstand und Not anerkenne. Ich klagte nicht darüber, daß meine Frau im Sterben lag, sondern vielmehr darüber, daß es mir an Stärke mangelte, mitanzusehen, wie meine Frau stirbt und wie ihr Tod den Glauben meiner Kinder an die heiligen Handlungen des Evangeliums beeinträchtigt. Ich flehte ihn deshalb an, daß er doch meiner Tochter ,Lutie' (Lucy) ein Zeugnis geben möchte, daß es sein Wille sei, ihre Mutter sterben zu lassen. Nach ein paar kurzen Stunden ging meine Frau heim. Daraufhin rief ich die Kinder ins Zimmer und sagte ihnen, daß ihre Mamma gestorben sei. Mein kleiner Sohn Heber fing bitterlich zu weinen an. Doch Lutie schloß ihn in ihre Arme, küßte ihn und sagte ihm, daß er aufhören solle zu weinen, da die Stimme des Herrn ihr gesagt hätte: ,Es ist der Wille des Herrn, daß deine Mamma sterben wird.' Lutie wußte nichts von meinem Gebet. Die Kundgebung, die sie hatte, war eine direkte Erhörung meines Flehens zum Herrn, und ich habe nie aufgehört, dafür dankbar zu sein."
Als Lutie herangewachsen war, präsidierte sie über die GFVJD. Ihr Vater pflegte davon zu berichten, wie er einmal Lutie auf einer Konferenz vor jungen Leuten Zeugnis geben gehört hat, daß sie dankbar sei, daß ihr Eltern das Leben geschenkt hätten, die sich im Tempel des Herrn hätten siegeln lassen. Präsident Grant weinte, als er sich erinnerte, daß der Tempel in Salt Lake City noch nicht fertiggestellt war, als er heiratete, und daß Freunde ihm dazu geraten hatten, noch so lange mit einer Eheschließung im Tempel zu warten. Er aber entschloß sich, daß er sich doch die besondere Mühe machen wollte, mit seiner Braut nach St. George zu fahren (was früher gar nicht so einfach war), um sich dort gleich zu Beginn ihrer Ehe siegeln zu lassen.
Obgleich Heber J. Grant sehr viel von sich selbst forderte, erkannte er doch bald, wie wichtig es ist, daß man nicht über die Unvollkommenheit anderer Menschen zu Gericht sitzt. Er erzählt, wie 'er zu der Erkenntnis dieser Wahrheit gekommen ist. Er war zur Kirche gegangen und hörte, wie der Sprecher ein paar grammatische Fehler in seinen Eröffnungsworten machte.
Heber J. Grant freute sich, daß er wohl genügend Material für ein Fach in der Schule zusammentragen könnte, in dem er grammatische Fehler zum gemeinsamen Korrigieren vortragen mußte. Als er mit dem Schreiben begann, konzentrierte er sich auf die Fehler, wurde aber statt dessen so von dem Geiste des Sprechenden ergriffen, daß er weinte, als dieser von der Göttlichkeit des Heilands, der Mission Joseph Smiths und dem Werk des Herrn in dieser Kirche Zeugnis ablegte.
Bruder Grant beendete seine Geschichte, indem er sagte: „Während der Jahre, die seit dieser Zeit vergangen sind, habe ich mich nie mehr daran gestoßen, wenn Leute, die das Evangelium verkündigten, grammatische Fehler machten oder Worte falsch aussprachen. Ich habe erkannt, daß es so war, als richte man einen Menschen nach der Kleidung. Von jenem Tage an hat mich vor allem andern der Geist und die Inspiration des lebendigen Gottes beeindruckt, die ein Mensch beim Verkündigen des Evangeliums gehabt hat, und nicht die Sprache, denn schließlich gibt es doch sehr viele, die im lebenslangen Kampf um das Geld nie die Möglichkeit gehabt haben, die Mittel zu erlangen, die erforderlich gewesen wären, um sich auf attraktive Weise zu kleiden. Von diesem Tage an habe ich mich bemüht, die Menschen nach dem Geist zu beurteilen, den sie haben, und ich muß sagen, daß ich damit Erfolg gehabt habe.”
So war Heber J. Grant — ein Präsident, der sich nie davor scheute, etwas zu versuchen, der sich nicht scheute, seine Meinung zu ändern, nachdem er etwas dazugelernt hatte. Er war ein Präsident, der ohne Rücksicht auf das, was die Leute über ihn dachten und was es auch kostete, zu dem stand, was er als richtig erkannt hatte.
Leon R. Harshorn, Februar 1973