Aus Feinden wurden Freunde
geschrieben von mormonen | 18 Apr, 2008- Weil Joseph Smith seine Feinde liebte, gelang es ihm häufig, ihre Achtung und Unterstützung zu gewinnen.
Viele von uns haben schon miterlebt, wie der Einfluß des Heiiligen Geistes dazu beigetragen hat, daß jemand, der ungläubig war und Vorurteile hegte, zu. .der Erkenntnis gelangte, daß das Friedensevangelium gut ist. Herz und Sinn öffnen sich, und ein Kind Gottes entscheidet sich dafür, Christus nachzufolgen.
Der Prophet Joseph Smith kam mit vielen Menschen zusammen, die aufgrund seines Zeugnisses das wiederhergestellte Evangelium annahmen und ihn als Propheten des Herrn anerkannten. Dieses Zeugnis sowie die christliche Wesensart des Propheten und sein Einfluß trugen dazu bei, selbst eingeschworene Gegner zu entwaffnen und sogar deren Gunst zu gewinnen.
Die folgenden Berichte aus dem Leben des Propheten bestätigen diese Aussage von Elder Parley P. Pratt: „Er konnte selbst seine erbittertsten Feinde überzeugen, wenn es ihm nur gelang, einmal mit ihnen zu sprechen.."
Das Gesetz auf seiner Seite
Im Juni 1830 reiste der Prophet nach Colesville im amerikanischen Bundesstaat New York, um dort zu predigen und zu taufen. Als er ankam, stellte er fest, daß die Mitglieder dort mehrere ihrer Freunde für die Taufe vorbereitet hatten. Nachdem die Taufen vollzogen worden waren, sollte am Abend eine Versammlung stattfinden, in der die neuen Mitglieder konfirmiert wurden.
Als die Menschen sich zur angegebenen Zeit versammelten, wurde Joseph Smith verhaftet, und zwar wurde ihm vorgeworfen, „Unruhe zu stiften und das Land durch das Predigen des Buches Momon in Aufruhr zu versetzen”. Doch als der Wachtmeister den Propheten kennenlernte, änderte er seine Meinung schnell:
„Der Wachtmeister sagte mir, daß diejenigen, die den Haftbefehl ausgestellt hatten, mich gleich nach der Verhaftung dem Pöbel überlassen wollten, der schon auf der Lauer lag; er aber sei entschlossen, mich zu retten, denn er habe festgestellt, daß ich ganz anders sei, als man ihm geschildert hatte."'
Dr Wachtmeister mußte Joseph Smith zwar gefangennehmen und vor Gericht bringen, aber er hielt sein Versprechen, ihn vor dem Pöbel zu schützen. Die Möchtegern-Angreifer umstellten die Kutsche des Wachtmeisters, als dieser aus der Stadt fahren wollte. Aber noch ehe sie des Propheten habhaft werden konnten, schlug der Wachtmeister auf die Pferde ein und fuhr dem Pöbel einfach davon.
Die Nacht verbrachten die beiden Männer in einem Gasthaus. Der Wachtmeister überließ Joseph Smith das einzige Bett im Zimmer und schlief selbst auf den Boden, die Füße an die Tür gedrückt und mit einer geladenen Waffe neben sich. Laut dem Propheten hatte er vorher gesagt, „er werde für mich kämpfen, wenn jemand unrechtmäßig in das Zimmer eindringen sollte, und mich nach besten Kräften beschützen".
Am nächsten Tag wurde Joseph Smith vor Gericht freigesprochen, und er und der Wachtmeister schieden als Freunde.
Manöver der Miliz
Im Frühjahr 1834 marschierte etwa 200 Männer, das sogenannte Zionslager, 1500 km von Kirtland in Ohio in den Kreis Jackson in Missouri, um den verzweifelten Mitgliedern dort zu helfen, die von den Bewohnern Missouris aus ihren Häusern vertrieben worden waren. Die Bewohner Missouris wollten das Zionslager angreifen, aber dieses Vorhaben zerschlug sich, als schwerer Hagel niederging und die Angreifer vertrieb.
Zwei Tage später kam der Führer des Pöbels, Oberst Scone, den der schwere Hagelsturm demütig gestimmt hatte, mit mehreren Spießgesellen ins Zionslager, um die Absichten der Brüder zu erfragen. Joseph Smith berichtet darüber:
„Ich erhob mich, sprach sie an und erzählte, was die Mitglieder im Kreis Jackson und auch sonst erleiden mußten ... und daß es nicht unsere Absicht sei, ... irgend jemanden zu belästigen, sondern daß wir nur ... unseren Freunden helfen wollten, daß aber üble Gerüchte über uns im Umlauf seien, die unsere Feinde zum Anlaß nähmen, unsere Vernichtung zu betreiben. Als ich meine ausführliche Rede beendet hatte, die Mitgefühl in ihnen geweckt hatte, standen sie auf, reichten mir die Hand und versprachen, sie würden ihren Einfluß geltend machen, um der allseits vorherrschenden Aufgeregtheit entgegenzuwirken. Als sie hörten, wie wir bedrängt und verfolgt wurden, weinten sie. Nun wußten sie, daß wir nur mit guten Absichten gekommen waren. Wie sie versprochen hatten, sprachen sie mit den Menschen über uns und bemühten sich nach Kräften, der Aufgeregtheit unseretwegen entgegenzuwirken.” Trotzdem nahmen vier Jahre später, am 6. August 1838, dem Wahltag in Gallatin, dem Sitz des Kreises Daviess, die Ereignisse, die zur Vertreibung der Mitglieder aus Missouri führen sollten, ihren Anfang. Die Mitglieder durften näm ich nicht mitwählen, und daraus entwickelte sich ein Handgemenge, bei dem allerdings niemand getötet wurde. Obwohl Joseph Smith gar nicht dabei gewesen war, gingen später Gerüchte um, in denen er beschuldigt wurde, sieben Männer an der Wahlurne getötet zu haben.
Einige Tage später – Joseph Smith hielt sich gerade im Haus seiner Eltern auf – umstellen mehrere bewaffnete Männer das Haus. Acht Offiziere drangen in das Haus ein und sprachen mit Joseph Smiths Mutter, wobei sie ihr androhten, sie würden „Joe Smith und alle Mormonen” umbringen. Joseph Smiths Mutter sagte, ihr Sohn sei gar nicht im Kreis gewesen, als die besagten Männer getötet worden waren. „Und außerdem”, fügte sie hinzu, „wenn Sie ihn kennen würden, würden Sie ihn nicht mehr umbringen wollen.”
Sie berichtet weiter: „,Meine Herren, gestatten Sie mir, Ihnen Joseph Smith, den Propheten, vorzustellen.' Die Männer starrten ihn an, als ob er ein Geist sei. Er lächelte, trat auf sie zu und reichte allen die Hand, und zwar so, daß sie anschließend überzeugt waren, er sei weder ein Verbrecher noch ein Lügner.
Dann setzte sich Joseph nieder und erklärte ihnen den Standpunkt ... der Kirche und was den Mitgliedern widerfahren war. Er legte dar, wie die Gegner der Kirche von Anfang an mit den Mitgliedern umgegangen waren. Außerdem sagte er, wenn ein Bruder das Gesetz übertreten haben sollte, dann müsse er sich auch vor diesem Gesetz verant worten, ehe jemand anders deswegen behelligt würde. Als er sich eine Zeitlang so mit den Besuchern unterhalten hatte, sagte er: ,Mutter, ich glaube, es ist Zeit für mich, nach Hause zu gehen – Emma erwartet mich sicher schon.' Da sprangen zwei seiner Besucher auf und meinten, er dürfe nicht allein gehen, das sei zu gefährlich; sie würden ihn begleiten, um ihn zu beschützen. So ging der Prophet mit den beiden Männern fort, und dann hörte ich, wie sich die an der Tür zurückgebliebenen Offiziere unterhielten:
Der erste sagte: ,War dir nicht auch eigenartig zumute, als Smith dir die Hand gab? So ein Gefühl habe ich mein Leben lang noch nicht gehabt:
Der zweite sagte: ,Ich konnte mich überhaupt nicht bewegen. Um nichts in der Welt würde ich dem Mann auch nur ein einziges Haar krümmen.`
Der dritte meinte: ,Das ist das letzte Mal, daß ich losgezogen bin, um Joe Smith oder die „Mormonen” umzubringen.'
Der erste sagte wieder: ,Ich glaube, ich war auch zum letzten Mal hier. Ich kenne keinen harmloseren, unschuldigeren Mann als den „Mormonenpropheten ".'
Der zweite fügte an: ,Die Geschichte, daß sie die Männer umgebracht hätten, ist eine ... Lüge, daran gibt es keinen Zweifel. Wir haben uns die ganze Mühe umsonst gemacht, und ich lasse mich nie wieder von ihnen [dem Pöbel] einwickeln. Das kann ich euch versichern.'
Die Männer, die meinen Sohn nach Hause begleiteten, versprachen, die Milizleute, die ihnen unterstanden, zu entlassen und nach Hause zu gehen. Das taten sie dann auch."
Evangeliumsverkündigung im Gefängnis
Aber es wurden Immer mehr falsche Gerüchte über die Mitglieder in Umlauf gesetzt. Joseph Smith bemühte sich nach Kräften, den zunehmenden Vorurteilen entgegenzutreten, bis er und andere Führer der Kirche im Oktober 1838
in Far West in Missouri verraten und den Regierungsbeamten ausgeliefert wurden.
Joseph Smith und seine Begleiter wurden anschließend in Richmond in Missouri vor Gericht gestellt und mußten vier Monate im Gefängnis in Liberty verbringen. Im April 1839 schließlich wurde der Prophet nach Gallatin gebracht, wo er sich erneut vor Gericht verantworten sollte. Ein Mitgefangener namens Alexander McRae berichtet, daß Joseph Smith sich während der Verhandlungspausen mit den Wachen anfreundete.
„Von da an bis zu unserer Entlassung”, schreibt McRae weiter, „gab es keine einzige Wache, die nicht freundlich zu uns gewesen wäre, und zwar so sehr, daß die Richter den Wachen schon nicht mehr vertrauten und sie häufig auswechselten. Wir saßen am selben Tisch mit dem Richter, den Anwälten und so weiter und erfreuten uns aller Bequemlichkeiten, die das Land zu bieten hatte – Federbetten zum Schlafen beispielsweise, die uns bisher im Gefängnis nicht zugeteilt worden waren."
Peter H. Burnett, der Verteidiger der Angeklagten schrieb: „Joseph Smith hatte große Einfluß auf andere Menschen.... Ehe ich nach Liberty zurückkehrte, sah ich ihn zwischen den Menschen stehen und mit ihnen sprechen, als ob er sich völlig sicher fühlte. In nur fünf Tagen war es ihm gelungen, seine Feinde so sehr für sich einzunehmen, daß er sich ohne die geringste Gefahr unter ihnen bewegen konnte."
Nach dem Prozeß in Gallatin gaben die Wächter (die offensichtlich an die Unschuld der Gefangenen glaubten), Joseph Smith und seinen Begleitern die Möglichkeit zur Flucht, die sie auch nutzten, um in den Staat Illinois zu fliehen!'
Fünf Jahre später, am 18. Juni 1844, neun Tage vor dem Märtyrertod Joseph Smiths, als die Wellen der Feindschaft bereits hochschlugen, hielt der Prophet seine letzte öffentliche Ansprache. Es ist durchaus möglich, daß einer der Zuhörer, wie Charles Lambert, ein Bekehrter aus England, schreibt, vorher zum Pöbel gehört und dann Umkehr geübt hatte:
„Ich war anwesend, als der Prophet seine letzte Predigt hielt.... Sie war sehr beeindruckend. Hinter stand ein hochgewachsener Mann, der weinte und schluchzte. Als ich mich umwandte, um ihn anzuschauen, sagte er, er werde niemals gegen die Mormonen kämpfen, nie und nimmer. Ich hatte ihn noch nie vorher gesehen.."
Am 24. Juni 1844 lieferte sich Joseph Smith der Obrigkeit aus, die ihn des Hochverrats beschuldigte. Dazu reiste er mit seinen Begleitern nach Carthage. Es ist zwar allgemein bekannt, daß Joseph Smith und seine Gefährten den Gefängniswärtern in Carthage predigten, aber über die Reaktion der Wärter erfährt man meistens nichts. Dan Jones, ein Mitglied der Kirche und Augenzeuge der Ereignisse, hat geschrieben:
„Einige von uns predigten den Wärtern abwechselnd... . Mehrere wurden dann noch vor Dienstschluß abgelöst, weil sie zugegeben hatten, daß sie an unsere Unschuld glaubten, womit sie natürlich für diese Aufgabe nicht mehr zu gebrauchen waren. Sie gaben zu, daß sie sich durch die Lügengeschichten des Pöbels hatten aufhetzen lassen. ... Sie glaubten unserem Zeugnis und gaben sogar zu, daß die Anschuldigungen des Pöbels nichts als Lügen waren, mit denen an Joseph Smith Rache genommen werden sollte... . Und einer nach dem anderen sagte: ,Kommt, Jungs, laßt uns nach Hause gehen. Gegen diese Männer hier will ich nicht kämpfen'" Zwei Tage nach dem Märtyrertod des Propheten ging Bruder Jones in Joseph Smiths Haus in Nauvoo, wo die Leichen von Joseph und Hyrum Smith aufgebahrt waren. Später schrieb er, er habe „ohne jeden Zweifel die beiden weisesten und tugendhaftesten Männer auf der ganzen Erde gesehen, die nur kurz zuvor hinter den Eisengittern des Gefängnisses denen das Evangelium des Friedens verkündigt hatten, die sie umbringen wollten". Wenn es Joseph Smith gelungen wäre, auch seine späteren Mörder zum Zuhören zu bewegen und sie mit seiner Persönlichkeit und seiner Freundschaft zu beeindrucken, hätte er sie zweifellos besänftigen können.
Böses mit Gutem vergelten
Obwohl Gottes erwählter Prophet der Wiederherstellung erbarmungslos verfolgt und ungerecht behandelt wurde, befolgte er doch beispielhaft die Ermahnung Jesu: „Liebt eure Feinde, segnet die, die euch fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch mißhandeln und verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel seiet.” (3 Nephi 12:44,45.1
Aber Joseph tat mehr, als seinen Feinden vorn Geist getrieben mit guten Worten Liebe und Mitleid zu erweisen. Das wird daran deutlich, wie er mit zwei haßerfüllten Männern umging, die ihn verfolgten:
Auf Befehl des Gouverneurs von Missouri verhafteten zwei Polizisten namens Reynolds und Wilson Joseph Smith im Juni 1843 in Nauvoo. Sie mißhandelten ihren Gefangenen grausam, stießen ihm ihre Pistolen in die Seite, drohten ihm mit dem Tod und führten ihn ah, ohne ihm die Gelegenheit zu geben, sich von seiner Familie zu verabschieden.
Aber das Blatt wendete sich bald, als nämlich die beiden Offiziere zur Rückkehr nach Nauvoo gezwungen wurden und sich dort dafür verantworten mußten, daß sie Joseph Smith und einem weiteren Mitglied mit dem Tod gedroht
hatten. Joseph Smith ließ zur Feier seiner sicheren Rückkehr ein Fest ausrichten, zu dem er auch Reynolds und Wilson einlud.12 Als der Prophet dann am Nachmittag zu den Bürgern Nauvoos sprach, sagte er über Reynolds und Wilson:
„Ich habe diese Männer nach Nauvoo gebracht und sie der Stadt übereignet, aus der ich fortgerissen wurde, aber nicht als Gefangene in Ketten, sondern als Gefangene in aller Freundschaft. Ich habe sie gut behandelr. Ich hatte die Möglichkeit, ihnen Schlechtes mit Gutem zu vergelten. Sie haben mich gesetzwidrig verhaftet, mich mißhandelt und mich meiner Rechte berauben wollen. Und wenn das Schicksal nicht eingegriffen hätte, hätten sie mich nach Missouri gebracht, wo ich umgebracht werden sollte. Aber jetzt befinden sie sich in meiner Hand; ich habe sie in mein Haus aufgenommen, sie an das Kopfende meines Tisches gesetzt und ihnen das Beste aufgetischt, was unser Haus zu bieten hatte. Meine Frau, von der ich mich noch nicht einmal hatte verabschieden dürfen, als sie mich mitnahmen, bediente sie."
Präsident Lorenzo Snow hat einmal einer Gruppe angehender Missionare den folgenden Rat mit auf den Weg gegeben: „Es gibt eine Möglichkeit, jeden Menschen anzusprechen, und es ist eure Aufgabe, den Weg zum Herzen derer zu finden, denen zu dienen ihr berufen seid." So wie der Apostel Paulus, der vor König Agrippa gebracht wurde (siehe Apostelgeschichte 26), und Amman, der vor König Lamonis Vater gebracht wurde (siehe Alma 20:8-28), besaß auch der Prophet Joseph Smith die bemerkenswerte Gabe, den Weg zum Herzen der Menschen zu finden, selbst zum Herzen seiner Feinde – wenn sie ihm nur zuhörten.
Diese Gabe gehört zu den vielen Eigenschaften, die den Propheten Joseph Smith auszeichneten und uns bewußt machen, was auch wir gemeinsam mit dem Herrn vollbringen können.
Duane C. Knowles, Dezember 1995