Joseph Fielding Smith - Schüler des Evangeliums
geschrieben von mormonen | 23 Mai, 2008„Es wird nie mehr die Zeit kommen, wo der Herr nicht doch jemanden findet, in den er sein Vertrauen setzen kann und der geeignet ist, ihn unter den Menschen zu repräsentieren. Dies ist meine Überzeugung, und ich erfreue mich an dieser Wahrheit.”
Der gleiche Mann, der diese Worte vor einigen Jahren aussprach, wurde autorisiert, Gott unter den Menschen zu repräsentieren.
Niemals zuvor ist jemand Präsident der Kirche geworden, der durch so viele Jahre hingebungsvollen Dienst auf dieses Amt vorbereitet gewesen ist wie der beliebte Prophet Joseph Fielding Smith. Er hatte seinen Namen von seinem Vater, Joseph F. Smith, erhalten, der von 1901 bis 1918 über die Kirche präsidierte. Joseph Fielding war der Enkel Hyrum Smith', dem unwandelbar treuen Bruder des Propheten Joseph Smith.

Die große Erfahrung, die Joseph Fielding Smith sich in seinem langen Leben angeeignet hatte, übersteigt unser Auffassungsvermögen. 1910 wurde er im Alter von 33 Jahren in den Rat der Zwölf berufen und diente über 60 Jahre als Apostel des Herrn, Jesus Christus. Er hatte 19 Jahre die schwere Aufgabe, der Präsident des Rates der Zwölf zu sein, und fünf Jahre war er Ratgeber des Präsidenten der Kirche. Neben dem Bericht über seine bemerkenswerten Leistungen als Generalautorität seien auch seine Leistungen und Beiträge auf anderen Gebieten erwähnt, die nahezu ohne Parallele in der Geschichte der Kirche sind. Er fungierte 49 Jahre lang als Geschichtsschreiber der Kirche und war seit langem innerhalb der Kirche wegen seiner außerordentlichen Kenntnis der Geschichte und Lehre der Kirche anerkannt. 1901 veröffentlichte er sein erstes Buch. Im Jahr 1970 wurde sein letztes Werk aufgelegt. In dieser Spanne von beinahe 70 Jahren schrieb Joseph Fielding Smith nicht weniger als 25 Bücher; viele davon wenden sich an Schüler des Evangeliums. Unter seinen Büchern seien folgende genannt: Essentials in Church History (= Wichtiges aus der Kirchengeschichte), 1922; The Way to Perfection („Der Weg zur Vollkommenheit"), 1931; The Progress of Man (= Der Fortschritt des Menschen), 1936; Teachings of the Prophet Joseph Smith („Lehren des Propheten Joseph Smith"), 1938; Man: His Origin and Destiny (= Der Mensch — seine Herkunft und Bestimmung), 1954; drei seiner Bücher tragen den Titel: Doctrines of Salvation (= Lehren der Erlösung), 1954—1956; und fünf Bücher den Titel: Answers to Gospel Questions („Antworten auf Fragen, die zum Evangelium gestellt worden sind"), 1957—1966.
Joseph Fielding Smith wurde am 19. Juli 1876 geboren. Mit 21 Jahren heiratete er im April 1898 seine erste Frau, Louie Emyla Shurtliff. Ein Jahr später wurde er von seinem Vater am 12. Mai 1899 zum Siebziger ordiniert und reiste am nächsten Tag aufs Missionsfeld. Gewiß, es war für Joseph Fielding Smith damals kein leichterer Entschluß, auf Mission zu gehen, als es heutzutage für uns ist. Aber er nahm seine Berufung an und arbeitete zwei Jahre lang in der Provinz Nottingham. Im Juni 1901 kehrte er wieder nach Hause zurück.
Nach seiner Rückkehr erhielt Joseph Fielding Smith eine Anstellung als Sekretär im Kirchengeschichtsbüro, wo er einen großen Teil seines Lebens tätig sein sollte. 1907 erhielt er eine weitere große Aufgabe, als er zum Sekretär der Genealogischen Gesellschaft der Kirche berufen wurde.
Zwei Jahre vor seiner Berufung zum Apostel verlor er seine erste Frau. Am 2. November 1908 heiratete er Ethel Georgina Reynolds. Sie verstarb am 26. August 1937. Seine erste Frau schenkte Joseph Fielding Smith im Verlauf ihrer zehnjährigen Ehe zwei Töchter. Seine zweite Frau war die Mutter von fünf Söhnen und vier Töchtern und war ihm 29 Jahre lang eine treue Gefährtin.
Am 12. April 1938 heiratete Joseph Fielding Smith die ehemalige Solistin des Tabernakelchores, Jessie Evans. Jessie Evans war eine Künstlerin mit einem liebenswürdigen und lebhaften Wesen. Sie stand 33 Jahre an der Seite ihres Mannes und umsorgte ihn mit Hingabe und aufopfernder Liebe. Sie erlebte, wie er der Präsident der Kirche wurde, und
sie begleitete ihn auf seinen vielen Reisen – wobei sie nicht nur seinen überlasteten Terminkalender mit ihm teilte, sondern auch die liebevolle Aufnahme durch die Heiligen in vielen Ländern. Als sie am 3. August 1971 an einem Herzleiden starb, teilten Millionen Joseph Fielding Smith' Trauer und Einsamkeit. Er versicherte seinem Ratgeber Harold B. Lee, als er seine Anteilnahme bemerkte, daß der Herr ihm die Kraft geben würde, auch weiterhin seine Pflichten zu tun: „Wie Sie wissen, habe ich etwas Derartiges schon hinter mir.”
Weil Joseph Fielding Smith ein kompromißloser Verteidiger der Gesetze und Grundsätze des Herrn war, galt er in manchen Kreisen als streng und abweisend. Doch das trifft keineswegs seinen wahren Charakter.
Jene, die ihm nahestanden, wußten von ihm, daß er aufrichtig am Wohl anderer interessiert und überaus weitherzig in seiner Zuneigung und Liebe und in seiner Bereitschaft zu verzeihen war.
Ein Ausspruch, der mehr als einem der Freunde Joseph Fielding Smith' zugeschrieben wird, gibt beredtes Zeugnis davon: „Wenn ich von einem meiner Mitmenschen gerichtet werden müßte”, sagten sie, „so soll es Joseph Fielding Smith sein.”
Im Jahre 1956 verfaßten Mitglieder des Rates der Zwölf ein Anerkennungsschreiben über ihn. Unter anderen führten sie aus:
„Wir wünschten nur, die ganze Kirche könnte das Feingefühl seiner Seele und seine große Besorgtheit um das Wohlergehen der Unglücklichen und Traurigen fühlen. Er liebt die Heiligen und läßt nie davon ab, für die Sünder zu beten.
Mit bemerkenswertem Scharfsinn legt er an allem zwei Maßstäbe an, bevor er eine endgültige Entscheidung trifft: Was möchte die Erste Präsidentschaft? Was ist das Beste für das Reich Bottes?”
Einer der Söhne Joseph Fielding Smith' gab einmal einen vorzüglichen Einblick in den Charakter seines Vaters und die Quelle seiner großen inneren Stärke:
„Als Kinder hörten wir unseren Vater oft sagen: ,Wenn doch die Menschen draußen in der Welt nur verstünden, daß Christus die Anfechtungen, Widerwärtigkeiten und unsere Sünden nur um unseretwillen auf sich genommen hat!' Jedesmal wenn er dies erwähnte, stiegen ihm Tränen in die Augen.
Vor einigen Jahren saß ich mit Vater allein in seinem Studierzimmer. Ich bemerkte, daß er tief in Gedanken versunken war, deshalb zögerte ich, das Schweigen zu brechen. Doch schließlich sagte Vater: ,O mein Sohn, ich wünschte, du wärest mit mir gewesen, als ich vergangenen Donnerstag mit den Brüdern im Tempel zusammen war. Wenn du sie hättest hören können, wie sie von ihrer Liebe zu unser aller Herrn und Heiland, Jesus Christus, Zeugnis ablegten!' Dann beugte Vater seinen Kopf und Tränen flossen ihm die Wangen hinunter und fielen auf sein Hemd. Und dann, nach vielen Sekunden, nickte er, ohne jedoch seinen Kopf zu heben, und sagte: ,O, wie ich meinen Herrn und Erlöser, Jesus Christus, liebe!'"
Seine vorbehaltlose Hingabe an Gott nahm schon in seiner Jugend ihren Anfang. Bruder Smith wußte von dieser Zeit zu berichten:
„Ich bin auf den Knien meiner Mutter unterwiesen worden, den Propheten Joseph Smith und den Erlöser zu lieben. Ich habe meine Großmutter nicht mehr kennengelernt. Diesen Umstand habe ich immer bedauert, weil sie eine der edelsten Frauen gewesen ist, die jemals gelebt haben. Aber ich habe ihre liebe Schwester, meine Großtante Mary Thompson,gekannt. Als Junge ging ich oft zu ihr, um sie zu besuchen. Ich setzte mich dann auf ihren Schoß, und sie erzählte mir Geschichten über den Propheten Joseph Smith. Wie dankbar bin ich heute noch für diese erlebnisreichen Stunden.”
Schon in früher Jugend entschloß sich Joseph Fielding Smith, die heilige Schrift zu studieren. Seine Schwester Edith erzählte, daß er im Alter von zehn Jahren das Buch Mormon schon zweimal durchgelesen hatte.
„Als ich noch ein kleiner Junge war — zu jung, um das Aaronische Priestertum zu tragen —, legte mir mein Vater ein Buch Mormon in die Hand, mit der Bitte, es zu lesen. Dankbar nahm ich diesen Bericht der Nephiten und machte mich daran, den erhaltenen Auftrag auszuführen. Einige Stellen aus diesem wunderbaren Buch haben sich mir seit damals unauslöschlich eingeprägt, und ich habe sie nie vergessen.
Neben seiner ernsthaften und wissensdurstigen Veranlagung gab es noch eine, unbeschwertere Seite im Wesen Joseph Fielding Smith'. Er hatte einen ausgesprochenen Sinn für Humor, den er oft und spontan unter Beweis stellte.
Einmal kehrte er von einer Konferenz aus Kalifornien zurück, von wo er sich einen Beutel frischer Oliven mitgebracht hatte. Froh über seinen Schatz und immer eifrig darauf bedacht zu teilen, fragte er einen der Brüder vom Rat der Zwölf, ob er jemals „eine Olive frisch vom Baum gekostet habe”. Sein ahnungsloses Opfer verneinte, und biß herzhaft in eine der Oliven. Das war im wahrsten Sinne des Wortes ein bitteres Erlebnis, und als sich das Gesicht des Bruders in Falten legte, fragte Bruder Smith ganz unschuldig: „Was ist los? Haben Sie eine schlechte erwischt? Hier, am besten probieren Sie eine andere.”
Vielleicht die beste Beschreibung kann der geben, der mit dem Betreffenden zusammengelebt hat. Im Jahr 1932 sagt seine Frau Ethel:
„Sie haben mich gebeten, Ihnen von dem Mann zu erzählen, den ich kenne. Ich habe oftmals daran gedacht, daß die Leute, wenn er gestorben ist, über ihn sagen werden: ,Er war ein guter Mann — aufrichtig, strenggläubig usw.' Sie werden über ihn reden, wie ihn die Öffentlichkeit kennt; aber der Mann, den diese Leute in Erinnerung haben, ist ganz anders als der den ich kenne. Der Mann, den ich kenne, ist ein gütiger und liebevoller Vater und Ehemann, dessen eifrigstes Streben darauf gerichtet ist, seine Familie glücklich zu machen, und der in seinen Anstrengungen, dies zu erreichen, sich selbst dabei ganz vergißt. Er ist der Mann, der das unruhige Kind beruhigt und zum schlafen bringt, der den Kleinsten Gute-Nacht-Geschichten erzählt, der niemals zu müde oder zu beschäftigt ist, um spät am Abend aufzubleiben oder früh am Morgen aufzustehen und dabei den älteren Kindern bei ihren Schulaufgaben hilft. Wenn jemand krank ist, dann wacht er über ihn und umsorgt ihn. Es ist der Vater, nach dem sie rufen, weil sie seine Gegenwart spüren — ein Heilmittel für alle Krankheiten. Es sind seine Hände, welche die Wunden verbinden, seine Arme, die dem Verzagten und Leidenden Mut machen, seine Stimme, die sanft Einspruch erhebt, bis sich diejenigen, die sich irren, bekehren und das tun, was sie und ihn glücklich macht.
Der Mann, den ich kenne, ist freundlich und gütig, und wenn er fühlt, daß er zu jemandem ungerecht gewesen ist, dann ist ihm keine Entfernung zu weit, um hinzugehen und mit liebevollen Worten oder netten Taten die Sache aus der Welt zu schaffen. Er heißt die jungen Leute gern in seinem Haus willkommen und ist niemals glücklicher, als wenn er mit ihnen über Themen des Tages diskutiert — Sport oder andere Themen, die sie am meisten interessieren. Er hört sich gern eine schöne Geschichte an und ist schnell dabei, den Humor einer Situation zu erkennen und zu lachen oder selbst ausgelacht zu werden; er ist immer bereit, an einer unterhaltsamen und erholsamen Tätigkeit teilzunehmen.
Der Mann, den ich kenne, ist selbstlos, geduldig, rücksichtsvoll, zuvorkommend, mitfühlend; er tut alles, was in seiner Macht steht, um das Leben der Seinen zur höchsten Freude zu gestalten. Das ist der Mann, den ich kenne.”
Diese zarten Skizzen sollen uns einen Einblick in das Wesen dieses großen Mannes gewähren. Aber wahrscheinlich wird er uns in seiner Rolle als Lernender am längsten in Erinnerung bleiben. Auf einer Generalkonferenz sagte er:
„Mein ganzes Leben lang habe ich mich ernsthaft mit den Grundsätzen des Evangeliums befaßt und über sie nachgedacht. Ich habe immer versucht, nach den Gesetzen des Herrn zu leben. Das Ergebnis war, daß in mir eine große Liebe für ihn und sein Werk und für alle jene erwacht ist, die bestrebt sind, für seine Vorhaben und Absichten auf Erden einzutreten.”
Joseph Fielding Smith mit seinen beiden Ratgebern, N. Eldon Tanner und Harold B. Lee
Wir alle müssen uns befleißigen, intensiver das Evangelium zu erforschen, die heilige Schrift und gute Bücher über die Kirche zu lesen. Joseph Fielding Smith war uns darin ein leuchtendes Vorbild, und er sagt uns, was eintreten wird, wenn wir das tun: „Das Ergebnis war, daß in mir eine große Liebe für den Herrn und sein Werk erwacht ist.”
Leon R. Hartschon, Mai 1973
Wichtiges aus dem Leben Joseph Fielding Smith
| 19. Juli 1876
| Alter | Wird als Sohn des 6. Präsidenten der Kirche in Salt Lake City geboren |
| 1896 | 20 | In seinem patriarchalischen Segen heißt es: „Es wird deine Aufgabe sein, mit deinen Brüdern zu Rate zu gehen und über die Menschen |
| 1897 | 21 | Zum Ältesten ordiniert |
| 1898 | 22 | Heiratete Louie Emyla Shurtliff; bei ihrem Tod hinterläßt sie ihm zwei Töchter |
| 1899—1901 | 22 - 24 | Mission in England |
| 1901 | 25 | Wird Sekretär im Büro des Kirchengeschichtsschreibers |
| 1908 | 32 | Heiratet Ethel Georgina Reynolds; sie schenkt ihm fünf Söhne und vier Töchter (1937 gestorben) |
| 1910 | 33 | Von seinem Vater zu Apostel ordiniert |
| 1934 | 57 | Wird Präsident der Genealogischen Gesellschaft |
| 1938 | 61 | Heiratet Jessi Evans; sie starb 1971 |
| 1939 | 63 | Reise durch Europa; hilet sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs des 2. Weltkrieges in Deutschland auf; leitete die Evakuierung aller Missionare aus Europa |
| 1945 | 68 | Wird Präsident des Tempels in Salt Lake City |
| 1951 | 74 | Wird Präsident des Rates der Zwölf |
| 1965 | 89 | Wird Ratgeber von David O. McKay, des damaligen Präsidenten der Kirche |
| 1970 | 93 | Zum Präsidenten der Kirche bestätigt |
| 1971 | 95 | Erlebt 95. Geburtstag; präsidiert über die erste Gebietskonferenz der Kirche in Manchester, England |
| 2. Juli 1972 | 95 | gestorben |