Balinger Wirt erhängt sich infolge der Rauchverbote
Uli Stegmaier, Wirt des Gasthauses "Zum Bären" im Baden-Württembergischen Balingen wählte den Freitod aus tiefer Verzweiflung: Hoffnungslosigkeit über die für ihn unerträglichen Eingriffe in seine persönliche und unternehmerische Freiheit trieben ihn zu dieser Tat. In seinem Abschiedsbrief klagt er die katastrophalen sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der "Nichtraucherschutzgesetze" an.
Der Unternehmer und Gastwirt aus Berufung hatte das gut gehende Balinger Gasthaus fast dreißig Jahre lang mit Leidenschaft und Herzblut geführt. Als im vergangenen Spätsommer die Rauchverbote kamen, engagierte er sich zusammen mit Gastronomie-Kollegen für eine Sammelklage gegen das Land Baden-Württemberg, um die staatliche Bevormundung und den inakzeptablen Eingriff in seine unternehmerische Freiheit doch noch abzuwenden. Doch rasch sah Uli durch die staatlichen Eingriffe seine Existenzgrundlage gefährdet und zuletzt verließen ihn dann auch noch Mut und Hoffnung, als er mit ansehen musste, wie die soziale Gemeinschaft in dem Kultlokal zerbrach. Er vermochte keinen anderen Ausweg aus dem unverschuldeten Dilemma mehr zu erkennen, als aus dem Leben zu scheiden. Uli Stegmaier hinterlässt eine Familie mit fünf Kindern.
Wir sind erschüttert und zornig zugleich, wütend auf einen Staat, der durch seine verbissen-ideologische Bevormundungspolitik Gäste entmündigt und Wirte zwangsenteignet. Dieser Staat hat zusammen mit seinen Ratgebern schwere Schuld auf sich geladen.
Unsere tiefe Anteilnahme und unser herzliches Beileid gilt in dieser schweren Stunde den Angehörigen.
Netzwerk Rauchen Forces Germany e.V.
Kommentar von Quirinus
"Wirt erhängt sich wegen Rauchverbot" - ?
Das ist, so glaube ich, zu kurz gegriffen; denn wohl jeder Suizid hat eine lange und komplexe Vorgeschichte. Aber:
Wie wir alle nicht erst seit dem von Peter Alexander gesungenen Schlager wissen, war DIE KLEINE KNEIPE IN UNSERER STRASSE ein Ort, wo das Leben noch lebenswert ist - nicht nur für die Gäste, sondern oft genug auch für die Wirte, zumal für die älteren unter ihnen. Die kleine Kneipe von einst war ihr Wohnzimmer; genauer: ihre Heimat in einer Welt, worin dieser Begriff und die damit zusammenhängenden Gefühle nichts mehr gelten. Und je mehr ganz private Sorgen sie hatten, desto wichtiger war ihnen dieser Ort; vielleicht der einzige, an dem ihr Wort noch etwas galt. Ich jedenfalls kenne viele solcher Wirte: heimliche Seelsorger, die von ihren Gästen auch psychisch so abhängig sind wie die Gäste von ihnen. Die Kneipe als Familienersatz. Die Kneipe als der vielleicht letzte soziale Halt all derer an der Theke; in einer immer unwirtlicher werdenden Welt. Die Kneipe: eben nicht nur irgendein BETRIEB, sondern HEIMAT.
Auch und gerade deshalb sind die Rauchverbotsgesetze so bedrohlich. Sie ruinieren nicht nur materielle, sondern eben auch psychische Existenzen. Sie rauben den zwangsmodernisierten Menschen den allerletzten Ort, an dem sie sich sozial geborgen und zugleich frei fühlen konnten. Sie rauben all denen, die jetzt noch mit Herzblut Wirte sind, ihre Identität und damit das Gefühl, daß ihr Leben einen Sinn hat: nämlich eben nicht nur den als Alkoholausschenker, sondern als Seelsorger. Wer Eck- und Szenekneipen kennt, dem brauche ich das nicht zu erklären.
Die MPLs, die Bindings und die Bätzings wissen nichts von alledem. Sie wissen nicht, was es (vom Gelde mal ganz abgesehen) für einen Wirt bedeuten kann, seine Gäste zu verlieren, und für die Gäste einer Kneipe, sich dort nicht mehr zu Hause fühlen zu können, weil das Rauchen verboten ist. Sie wissen nichts von all diesen Dingen, weil sie - wie wohl die allermeisten Karrieristen - nichts mehr von HEIMAT wissen: von einem Ort also, an dem der Mensch so sein darf, wie er ist, und das aben auch als Raucher und als Trinker und als einer, dessen Body-Mass-Index nicht der Norm entspricht. Sie wissen nichts mehr von den Menschen, wie sie wirklich sind. Sie wissen nur noch etwas davon, wie die Menschen sein sollen. Wer nicht voll und ganz ihrem standardisierten Menschenbild entspricht, der gilt als krank, ja sogar als kriminell.
Vor diesem Hintergrund betrachte ich den Suizid des Kneipenwrts aus Balingen. Er hatte, wie ich annehme, jede Menge Probleme und Sorgen. Doch daß er sich in seiner eigenen Kneipe und damit auch in Deutschland, seinem Lande, nicht mehr zu Hause fühlen konnte, des sog. Nichtraucherschutzes wegen, wird ihm den Rest gegeben haben. Und ich befürchte, daß sein Suizid kein Einzelfall bleiben wird. Solange es noch Menschen gibt, die ihre Heimat lieben, wird es Menschen geben, die sich umbringen, weil man ihnen ihre Heimat nimmt.
Das aber werden die neuen glatten Menschen à la Bätzing & Co wohl nie verstehen. Sie sind überall einsetzbar. Sie fühlen sich überall wohl. Sie sind so flexibel wie das Kapital.

Finde das schon krass, das soetwas einem die Existenz ruinieren kann. Finde es schon traurig, dass ein Kneipenwirt in einem demokratischen Staat noch nichteinmal entscheiden darf, ob er das Rauchen gestattet oder verbietet.
geschrieben von Marco — 10 Apr 2008, 11:53
Vor wenigen Jahren hat sich auch schon ein Passivraucher das Leben genommen, weil er nicht nur unter dem Qualm rücksichtsloser Zeitgenossen gelitten hat, sondern dafür auch noch von denselben bis aufs Blut gemobbt wurde.
Um ihn haben die Medien nicht so einen Wirbel veranstaltet. Da sieht man doch wieder einmal, wie verlogen unsere Medien sind. Sie missbrauchen ihre "Pressefreiheit" doch nur dazu, selbst ihren Profit zu maximieren. Genauso wie die Tabakindustrie. Die Toten sind denen doch egal.
geschrieben von Alfred Huber — 10 Apr 2008, 14:01
Ich finde das unmöglich, das unserer Politik mit total beklopten Gesetzen unser Leben kaput gemacht wird.
geschrieben von daniel — 10 Apr 2008, 15:41
Seit mir nicht böse. Aber Ihr habt diese Politiker gewählt und werdet sie auch wieder wählen. Ihr geht lieber für den Tierschutz oder gegen den Krieg im Ausland auf die Strasse anstatt für Eure Belange.
geschrieben von Mike — 11 Apr 2008, 12:34
Das ist wirklich unglaublich. Wahnsinn das Exsistenzen an solchen Gesetzen hängen... Das Gesetz ist wirklich nicht nötig gewesen!
geschrieben von Tina — 14 Apr 2008, 13:32
Zum Hintergrund des Dramas
geschrieben von Roland Hentschel — 15 Apr 2008, 11:21
das ist schon eine krasse story...es kann echt nicht sein, dass wirte ihre existenz aufs spiel setzen müssen wegen diesem nichtrauchergesetz....es ist ihre kneipe und ihr eigentum und da sollen sie doch selbst eintscheiden dürfen !!!
geschrieben von Erik — 18 Apr 2008, 12:51
Das Nichrauchergesetz ist ja eine Umsetzung der Europäischen Richtlinien.
In einigen Ländern geschieht diese Umsetzung schnell (Holland) und in wieder anderen gar nicht (Spanien). Als nächstes steht der Alkohol auf dem Programm. Bin gespannt wie wir diese Richtlinie im Bierland Deutschland umsetzen... Bald auch kein Bierausschank in Kneipen mehr?
geschrieben von Mario — 21 Apr 2008, 15:48
Ich finde den Ansatz des Gesetztes, die Nichtraucher zu schützen, gut. Vielleicht hätte man es etwas anders umsetzten müssen, wie z.B. jedem Wirt frei überlassen, ob er seine Kneipe Rauchfrei gestaltet oder nicht. Das hätte zur Folge, dass man in vielen Knipen weiter rauchen darf und eineige wenige eine rauchfreie Kneipe aufmachen würden. Nichtraucher, die Wert darauf legen keinen Qual abzubekommen, könnten dann einfach diese Kneipen aufsucheen. Und alle wären Glücklich! Manches könnte doch so einfach sein...
geschrieben von Jacques — 22 Apr 2008, 09:34
soweit führt das nun schon mit dem rauchverbot.
seien wir doch mal ehrlich, so richtig was gebracht hat uns doch das rauchverbot nichts. jetzt wird es wieder total aufgelockert
geschrieben von Marcel — 23 Apr 2008, 10:14
Da werden doch sicher noch andere Dinge mit im Spiel gewesen sein.
geschrieben von kaste — 13 Mai 2008, 00:38
Ich bin der Meinung, entweder ganz oder gar nicht. Wieder nur ein halbfertiges Gesetz mit Ecken und Kanten.
geschrieben von Mario — 15 Mai 2008, 10:44
wirklich krass
geschrieben von Google Adsense — 07 Jun 2008, 15:31
Jo find ich auch,
geschrieben von OFF — 13 Jun 2008, 01:26
Dieser Mann könnte noch leben, wenn Raucher in der Lage wären, ein paar Stunden einfach mal ohne Kippe in der Kneipe zu sitzen. Das ist der einzige Knackpunkt an der Sache.
geschrieben von Querdenker — 15 Jun 2008, 19:42
@ "Querdenker",
wenn "querdenken" zu solchen Ergebnissen führt, wie Deine hier unter Beweis gestellte, geistige Leistung, dann sind jene "Quer"streben von Deutschlands geistiger Elite mehr als verzichtbar. Gratuliere: Mit Deiner fulminanten "Quer"denke weist Du nicht nur jede gesellschaftliche Mitverantwortung an der böswillig diskriminierenden
Raucherhetze weit von Dir, sondern machst auch noch die Opfer dieses Kesseltreibens zu Tätern.
Eine solche "Querdenke", die man wohl treffender als KURZ-Denke bezeichnen sollte, erfüllt meiner Ansicht nach alle charakteristischen Merkmale des Faschismus.
Darauf hab ich nur EINE Antwort: Keinen fußbreit mehr für die Faschisten dieser Welt!
Der Hass-Feldzug von Leuten Deines Schlages gegen uns Raucher wird sich ins Gegenteil dessen verkehren, was Ihr erreichen wollt. Verlass Dich drauf!
Jürgen
geschrieben von Jürgen Vollmer — 15 Jun 2008, 20:29
hmm, so wie ich das lese gibt es mit sicherheit auch noch einen anderen hintergrund. wegen des rauchverbots oder "nur" arbeitslosigkeit geht doch kein mensch so weit
geschrieben von MG — 17 Jun 2008, 14:41
ist nicht gesagt@mg, eventuell hat der Wirt eine Familien zu ernähren gehabt und was ist eine Kneipe mit Rauchverbot schon. Da kommen am Tag 2-3 Leute triken ein Bier und gehen wieder. Aber der Politik scheint es ja sowieso Spaß zu machen Firmen pleite zu machen, sonst hätten die schon längst mal was unternommen. mfg
geschrieben von proteinhersteller — 20 Jun 2008, 08:55
Bin echt erschrocken über diverse Kommentare in diesem Blog. Jürgen, meinst du nicht, dass mit solch einer radikalen Sprache das Thema nur noch weiter aufgeheizt wird? Ich selbst bin 48 Jahre alt, seit 3 Jahren Nichtraucher (habe aufgehört wegen gesundheitlicher Probleme!) und habe insgesamt 29 Jahres lang ca. 1 Schachtel am Tag geraucht.
geschrieben von kre alkalyn — 27 Jun 2008, 10:02
Das Nichtrauchergesetz ist meiner Meinung nicht ausgereift. Der Gesetzgeber will jetzt ja auch nachbessern. Das sich deswegen jemand selbst umbringt finde ich aber von sehr weit hergeholt.
geschrieben von Ralf — 03 Jul 2008, 16:23
Sehe ich genauso. Im Fernsehen haben sie letztens gezeigt wie Kneipies das Gesetz mit Vereinen umgehen.
geschrieben von Nick — 15 Jul 2008, 22:40
also das ist echt ein wahnsinn, zu was dieses nichtrauchergesetz führt...kein wunder, dass manche wirte nicht mehr aus und ein wissen, wenn es um ihr geschäft geht...das kanns ja wohl auch wieder nicht sein, dass wirte ihre gesamte existenz aufs spiel setzen müssen - ihre kneipen sind ihr hab und gut, mit dem sie sich ihren lebensunterhalt verdienen..so weit darf es einfach nicht kommen, dass wirte jetzt schon den freitod wählen...
wo soll das noch hinführen???
geschrieben von Liebesgedichte — 26 Jul 2008, 16:07
Halte die Schutzgesetzte für unausgereift und für falsch. Als Nichtraucher ist mir das freiheitliche Gut der Selbstbestimmung wichtiger als Gesetze, die Menschen vorzuschreiben was Sie zu tun haben. Letztlich haben wir in D einen Flickenteppich an Regeln, die allenorts inzwischen ausgehölt werden. Solche Geschehnisse zeigen doch in welche Sackgasse Gastronomen diese Regelung führen kann.
geschrieben von Chris — 01 Sep 2008, 00:39
Finde in De muss man wieder übertreiben in anderen Ländern ist das Rauchverbot auch und es gibt nicht solche Probleme. Ich persönlich bin dafür das das Rauchverbot konsequent weiter durchgesetzt wird obwohl ich Raucher und einiges am Tag rauche.
geschrieben von Marco — 22 Okt 2008, 18:59
@ Marco:
Wenn DU Dich gerne rum kommandieren lassen willst, so ist das Deine Sache.
Aber:
Niemand zwingt Dich, in eine Raucherkneipe zu gehn, unsereiner soll jedoch dazu gezwungen werden, nur noch in Nichtraucherkneipen zu gehn.
Ich für meinen Teil werde mich dieser faschistoiden Gesetzeswillkür vor allem GRÜNER Prägung bis zum letzten Ziggizug widersetzen und habe als Bürger, der sich nicht bevormunden lassen will, Verfassungsbeschwerde wegen Diskriminierung durch die Rauchverbote in Karlsruhe eingereicht.
Das kann nämlich JEDER Bürger tun, der von dieser erbärmlichen Gängelei betroffen ist.
Jürgen
geschrieben von Jürgen Vollmer — 23 Okt 2008, 02:04
Hallo!!!
Sehr interessant Artikel!!!
Klasse!!!
Danke und Grüsse
geschrieben von emule — 13 Mai 2009, 13:18
Hm also das er sich nur wegen dem Rauchverbot erhängt hat kann ich ja fast nicht glauben, allerdings
glaube ich schon das so ein
Rauchverbot Gäste vertreiben
kann und das wäre dann natürlich ein mehr oder weniger großer Verlust für
den entsprechenden Besitzer.
geschrieben von Maier — 29 Jun 2009, 00:51
Wie ist es denn, wenn man einen Raucheclub anmeldet?
geschrieben von Lowrance HDS 5x — 18 Okt 2009, 20:27
Astrologie ist ein höchst interessantes Feld - informativ und spannend - genaus wie Ihre Seite hier.
geschrieben von Paul Pannwitz — 13 Nov 2009, 20:44