Neues aus Absurdistan
Der Verbotswahn glüht munter weiter - eine Polemik
Nach den Rauchern und den Dicken sind jetzt auch Diskotheken und Orchester ins Fadenkreuz gesundheitsministerialer Landespolitiker mit Blockwart-Mentalität sowie hyperaktiver EU-Kommissare geraten. Wie die Tagesschau in ihrer Online-Ausgabe vom 20.05. berichtet, plant der Bayerische Gesundheitsminister Werner Schnappauf bundesweit ein gesetzliches Verbot lauter Disko-Musik anzustoßen. Und nach einem Kultur-Report-Bericht des MDR sieht eine neue EU-Richtlinie zum Lärmschutz am Arbeitsplatz ab Sommer 2007 eine "Lärmgrenze" für Orchester vor. Wird sie tatsächlich umgesetzt, wird man sich fortan Mozart oder Puccini nur noch per Kopfhörer in einer Lautstärke und Klangtiefe anhören können, die diese Werke erst zum musikalischen Erlebnis werden lässt.
Jaja, ich weiß schon: Das ist alles völlig korrekt so, denn man darf nunmal nicht zulassen, dass sich die Menschen systematisch gesundeits- und damit nunmal auch volkswirtschaftsabträglichen Vergnügungen hingeben.
Lust- und lebensfremder könnten die neuerlichen Verbotsvorstöße freilich kaum sein und man fragt sich unwillkürlich, wie lange es wohl noch dauern mag, bis es letztendlich auch verboten sein wird, nach 22 Uhr etwa noch zu lesen oder TV zu schauen, denn schließlich ist der Schlaf vor Mitternacht - das ist wissenschaftlich erwiesen - der Gesündeste und außerdem kommt die so erzielbare Verminderung der persönlichen CO2-Bilanz unserem leidgeprüften Klima zu Gute!
Gehts noch? Der gegenwärtige Gesundheitswahn demaskiert sich immer mehr zu dem was er bei wachsamem Blick hinter die Kulissen des parlamentarischen Bürokratismus eigentlich schon lange darstellt: Ein aufgeblasenes, hoch groteskes, bis ins innerste Mark hinein faschistoides Bevormundungs- und Verbotsgespinst mit dem fragwürdigen Ziel der Ehelichung einer von unkontrolliert ins Kraut schießenden Großkonzernen angestrebten Konsumdiktatur!
Und was das Schlimmste ist: Nicht nur drittklassige Hinterbänkler, sondern auch hochkarätige Vertreter des bundesdeutschen Parlamentarismus machen sich mit Eifer immer wieder gern zum dankbaren Laufburschen der unsäglichen, in weiten Teilen völlig überflüssigen EU-Bürokratie und helfen so munter dabei mit, den Weg in einen lustfeindlichen und freudlosen Verband europäischer Kontrollstaaten zu ebnen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wie schon die Raucherdebatte mehr als drastisch vor Augen geführt hat, spielen ALLE "demokratischen" Parteien - und zwar ausnahmslos - jenes gezinkte Blatt. Allein die Akzentsetzung unterscheidet sich noch geringfügig voneinander.
Ein altes Sprichwort sagt: "Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber". Auf die aktuelle Situation in der Politik übertragen führt mich dies persönlich zu der Konsequenz: Ich kann und will nicht länger immer wieder "das kleinere Übel" wählen und so diesen geballten Wahnsinn auch noch legitimieren. Wie ichs auch drehe und wende, ich komme immer wieder zu dem Schluss: Wählbar ist in diesem unserem Lande in meinen Augen inzwischen KEINE Partei mehr, - schon lange nicht mehr!
Freiheitsliebenden Menschen dürften eingedenk dieser Entwicklungen auf Dauer wohl nur zwei Alternativen bleiben: Entweder man wandert in liberal gebliebene Staaten aus oder man stellt sich dem immer nachhaltiger um sich greifenden Verbotswahn mit allem Nachdruck entgegen, verweigert den selbstgefälligen "Machern" konsequent jedwede Unterstützung und bemüht sich durch Vernetzung mit überparteilichen, demokratischen Kräften durch Aufklärung eine möglichst breite Gegenöffentlichkeit zu schaffen und diese der allgegenwärtigen Massenpropaganda des Verbotsstaats kategorisch entgegenzuetzen.
Man sollte sich allerdings nicht zuviel erwarten: Die Chancen, dass der deutsche Michel die Kurve noch einmal kriegen wird, stehen doch eher schlecht ... ;-(
Grüße Jürgen
